Dienstag, 10. November 2015

Ich bin Jägerin - Darf ich mich lieben?

Dies ist eine Frage, die ich mir oft stelle,  wenn ich mal wieder durch die realitätsferne Facebookwelt scrolle und mir Bilder und Kommentare von so einigen Jagdgegnern und anderen Mitmenschen durchlese.
Zu allererst sollte ich vielleicht sagen: Ich bin ein Mensch!!!!! Ich gehöre zu der Spezies, die sich so weit entwickelt hat und trotzdem wünscht man mir den Tod. Warum????
Ich bin Mensch und ich habe Gefühle, ich habe eine Haut, Augen und Ohren; viele Sinne, um meine Umgebung wahrnehmen zu können, und ich kann lieben. Ich erfreue mich jeden Tag daran, wenn ich die Luft in meinem Gesicht spüre und das Wasser auf meiner Haut. Ich bin dankbar, dass ich Kleidung habe, Schuhe die mich auf meinen schwierigen Wegen begleiten und ein Dach über dem Kopf. Mein Zuhause ist für mich ein Rückzugsort, an dem ich mich fallen lassen kann und Mensch sein darf. Ich muss nicht darüber nachdenken, ob ich da draußen in der Welt jemandem gefalle oder nicht. Ich muss nicht aufpassen, was ich sage, sondern kann ganz offen und ehrlich über meine Gefühle und Ängste sprechen. Ich muss nicht drauf warten, dass ich ganz viele Likes auf ein Foto oder einen Bericht bekomme. Ich teile nur meine Gedanken mit euch. Mit Menschen, die wie ich jagen!!!!
Im großen Internet bin ich den anderen ausgeliefert, wenn ich mich oute und sage ich bin Jägerin. Ich muss mit den Beschimpfungen und Morddrohungen einfach leben. ABER, muss ich das denn wirklich??? Habe ich denn nicht auch ein Recht auf meine Lebensweise? Muss ich mich als Mörderin hinstellen lassen, obwohl ich nichts verbotenes tue? Oft wird von bösen Menschen gesagt, dass meine Mutti in meiner Erziehung etwas falsch gemacht hat, ABER hat sie das denn wirklich?
Meine liebe Mutti hat mir immer freigestellt, ob ich Dinge essen möchte oder nicht. Sie hat auch immer darauf geachtet, dass ich groß und stark werde ;-). Sie hat mir immer den Raum gegeben, sodass ich mir meine eigene Meinung über bestimmte Dinge bilden konnte. Ich durfte in meiner Kindheit noch alleine mit meinen Freundinnen im Wald spielen. Das wäre heute undenkbar. Aber viele Sachen aus meiner Kindheit habe ich für mich mitgenommen in die Welt der Erwachsenen. Ich urteile nicht über Menschen, die nicht so leben wie ich, denn dafür gibt es sicher gute Gründe. Ein Grund könnte ja z.B. sein, dass ihnen etwas nicht schmeckt oder sie es aufgrund einer Allergie einfach gar nicht essen können.
Ich habe jedoch von meiner Mutti schon recht früh gelernt, dass ich Tiere nicht vermenschlichen sollte, denn ihnen kann man nicht die gleichen Rechte und Pflichten wie einem Menschen zusprechen. Kommt daher der Hass gegen die Jäger? Falsch verstandene Tierliebe? Wurden ihnen falsche Sichtweisen in ihrer Kindheit aufgezeigt, die sie bis jetzt beibehalten haben? Ich hatte in meinem Leben schon viele Haustiere, und auch jetzt habe ich zwei Hunde. Natürlich sind meine beiden Hunde mein Ein und Alles, und ich möchte sie noch viele Jahre meine Begleiter nennen dürfen. Aber ich weiß auch, dass es TIERE sind. Wäre natürlich super toll, wenn sie auch mal den Besen in die Hand nehmen könnten und ihre Haare wegkehren würden. Ich bin mir bewusst, dass sie bei mir ein gutes Leben haben. Sie bekommen genügend Auslauf und Beschäftigung, dürfen mich überall hin begleiten, bekommen Fressen, ich gehe mit ihnen zum Impfen und zu regelmäßigen Kontrollen, ich passe auf sie auf und sie haben einen warmen und trockenen Schlafplatz. Das reicht also nicht?
Ich bin sehr dankbar, dass ich Nahrung in Hülle und Fülle in jedem Supermarkt vorfinde und nicht jeden Tag um das Überleben kämpfen muss. Ich gebe zu, ich esse sehr gerne Fleisch. Ich hatte eine tolle Kindheit und bin mitunter auf dem Land groß geworden, d.h. ich weiß, dass die meisten Tiere, die dort gehalten werden, auch auf dem Tisch landen. Ich erlebte in meiner frühen Kindheit bereits das Schlachten von Hasen, Hühnern, Enten und auch Schafen. Ich glaube, Kinder haben nicht so viele Berührungsängste, wie wir Erwachsenen und denken nicht alles tot, sondern leben noch.
Durch meine Schwester und meinen Schwager bin ich zur Jagd gekommen. Ich fand es interessant, sehen zu können, wie es in einem Körper aussieht und mir so viel besser vorstellen zu können, wie verschiedene Abläufe im Körper funktionieren. Wenn Eltern Angst haben, dass ihre Kinder Albträume bekommen, zeigen sie diesen natürlich nicht woher die Wurst wirklich kommt. "Die Wurst kommt aus dem Supermarkt", ist hier wohl einfach nicht die richtige Antwort. Ich habe für mich einen Weg gefunden, meinen Hunger auf Fleisch selbst zu stillen. Ich gehe Jagen. Ich jage mit Herz und Seele das, was ich brauche und nicht mehr. Ich möchte nicht das Fleisch aus dem Supermarkt kaufen müssen, welches mit Medikamenten nur so zugepumpt ist. Ich möchte sehen, dass es dem Tier gut ging und es nicht eingezwängt in einem "Käfig" gehalten wurde. So kann ich es dann mit ruhigem Gewissen zubereiten und essen.
Aber um auf meine Ausgangsfrage zurück zu kommen: JA, mittlerweile kann ich mich lieben, und das habe ich gelernt. Lange Zeit habe ich mich verloren gefühlt, und irgendwie habe ich nirgendwo reingepasst. Dann kam die Zeit der Pubertät, ich fühlte mich zu dick, fand mich hässlich und habe andere Mädels bewundert, weil sie schön sind. Ich habe gelernt, jeden Morgen in den Spiegel zu blicken und sagen zu können: "Du bist gut so wie du bist." Mir ist es egal, was andere über mich denken oder ob sie es nötig haben zu lästern. Mir ist egal, ob sie es gut finden oder nicht. Ich muss jeden Morgen in den Spiegel blicken können und mich in meiner Haut wohl fühlen können. Ich alleine entscheide, was ich für richtig oder falsch halte und was gut für mich ist. Wichtig ist mir nur, dass meine Familie und mein Freund hinter mir stehen. Die Jagd hat aus mir eine selbstbewusste Person gemacht und jetzt schaue ich mit erhobenen Kopf den Menschen entgegen, die mir so oft sagen, dass ich ein schrecklicher Mensch sei und es nicht verdient habe zu leben.
Doch ich habe es verdient und ich liebe mich so wie ich bin!!!!!!
Waidmannsheil und Horrido
Josi
IMGP1325

Fuchs kann immer kommen



Fuchs kann immer kommen


Nur wenige Wochen nach der bestandenen Jägerprüfung ging es am 11. August 2011 mit einem Jagdkollegen zur Jagd nach Barnin (Mecklenburg-Vorpommern). 
Gegen 18 Uhr wurde ich auf einer Wiese am Waldrand abgesetzt und machte mich auf zur großen Schlafkanzel. Ich wollte auf die Sauen warten und die Nacht durchsitzen. 
Nach gut einer Stunde trat ein Hirschkalb allein aus dem Wald aus. Nach Rücksprache mit einem Jagdkollegen entschied ich mich zum Schuss. Das Stück lag auf gut 100m im Feuer. 
Die Waffe sicher auf dem Hochsitz verstaut, wollte ich mich ans Aufbrechen machen. Beim Stück angekommen, passierte dann aber das Unfassbare: Ich sah den ersten echten Fuchs in meinem Jägerleben. Er näherte sich dem Kalb, obwohl ich direkt daneben stand. Und er hat mich keinesfalls übersehen. Ich versuchte, ihn anzulocken, wie man es bei einem Hunden macht. Nebenbei verscheuchte ich noch die Mücken, die vor meinem Gesicht umherschwirrten. Doch der freche Fuchs ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und kam auf gut 10m an mich heran. Sehr ärgerlich: Meine Waffe stand oben in der Kanzel — beim Aufbrechen hätte sie ja nur gestört. 
Und sollte ich mit meinen zarten 7 Wochen als Jungjägerin auch ahnen, dass das Sprichwort „Fuchs kann immer kommen“ wirklich stimmte.




Sonntag, 1. November 2015

Die erste richtige Drückjagdsaison

Der Herbst hat begonnen sich mit schnellen Schritten über die Natur herzumachen. Die Blätter fallen, der Wind fegt durch die kahlen Äste. Die Zugvögel machen sich auf den Weg in den weit entfernten Süden. Jetzt ist die Zeit der schönen Herbstspaziergänge bei denen man nochmal die letzten kräftigen Sonnenstrahlen genießen kann bevor der trübe und kalte Winter naht. Jetzt beginnt aber auch gerade für die Jäger eine spannende Zeit. Die Drückjagdsaison. Für mich ist es meine erste bei der ich meine Waffe führen darf. Letztes Jahr, noch nicht volljährig, war ich aber auch schon als Treiberin stets mit Feuereifer dabei.
Als dann dieses Jahr die ersten 3 Einladungen zu Drückjagden kamen, war die Freude groß.
Am Samstag war es dann soweit und ich machte mich mitsamt meiner beiden tierischen Jagdbegleiter Ben und Moritz auf den Weg in das ca. 50Min entfernte Revier. Dieses mal war es das erste mal, dass ich beide Hunde alleine führte. Schon eine Woche zuvor war ich zusammen mit meiner Mama den Weg abgefahren da der Treffpunkt sehr abgelegen und versteckt zu finden war.
Nachdem ich mich dann doch noch einmal verfahren hatte, war ich beim Anblick eines grünen Subarus mit orange eingekleideten Insassen erleichtert und hängte mich mit meinem ebenfalls jagdgrünen Suzuki Jimny an. Am Treffpunkt angekommen begrüßten mich schon die ersten Grünröcke an einer kleinen Feuerstelle. Der Revierpächter verteilte selbst geerntete Äpfel für den kleinen Hunger zwischendurch. Meine Hunde, die schon ganz „heiß“ waren turnten schon im Auto herum, sodass ich froh war als der Jagdleiter mit der Begrüßung, den üblichen Sicherheitsvorschriften, der Bekanntgabe des freigegebenen Wildes und der Gruppeneinteilung begann. Freigegeben waren Sauen (ausgeschlossen natürlich führende Bachen), Knopfböcke, Schmalrehe, Kitze, Füchse und Hasen. Das Treiben war ein großes und wurde bis 16 Uhr angesetzt. Ich wurde als Durchgehschützin eingeteilt.


Die Schützen machten sich auf den Weg zu ihren Ständen und meine Gruppe machte es sich noch einen kleinen Moment am Feuer gemütlich, bevor auch wir uns auf den Weg zum Anfangspunkt machten. Mit der geöffneten Flinte auf der Schulter, der zugegebener Maßen hässlichen Reißfesten Überziehhose umgeschnallt und den beiden Energiebolzen an der Leine ging es also los. Ich muss zugeben, zwei voller Energie strotzende aufgeregte Hunde am Strick zu halten war gar nicht so einfach wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber wenn man dann da steht, muss man halt dadurch. Wir begannen an einem schmalen Waldstück oberhalb eines kleinen Reitstalls. Dort sollten wir unsere Hunde jedoch noch nicht schnallen, da sich die Pferdehofbesitzerin das vorherige Jahr über den Lärm, der ihren Pferden zu schaffen machte, beschwert hatte. Kurze Zeit später lief uns, ca, 15m entfernt auch schon das erste Stück Rehwild über die Füße. Hochflüchtig machte es sich auf den Weg Richtung Pferdekoppel. Meine beiden Kumpanen waren spätestens ab jetzt kaum zu bändigen. Zum Glück durfte ich sie ein paar Minuten später endlich schnallen. Jedes mal auf's neue fasziniert mich ihre Arbeit während einer Jagd. Ich muss sagen, dass es mir tausendmal mehr Spaß macht, mich mit den beiden ins Dickicht zu werfen, statt stundenlang auf einem Platz zu stehen.
Auf einmal machte ich einen Fuchs auf ca. 30m aus. Perfekte Schrotschussentfernung. Waffe gelanden und gesichert. Ich entschied mich jedoch gegen den Schuss da ich nicht zu 100% sicher war, ob nicht doch ein Hund hinter Reinecke seine Arbeit verrichtete. Außerdem trat dieser in Lichtgeschwindigkeit die Flucht an. Waffe entladen und weiter ging es. Wir hatten eine ganz schön heftige Rute. Viele extrem steile Berge machten meiner Truppe zu schaffen. Meinem kleinen Dackel schien es mit seinem „Hinterradantrieb“ jedoch nichts auszumachen. Oben auf dem Berg angekommen, steuerten wir geradewegs auf ein für ein Tier wunderschönes Dickicht zu. Keine zwei Minuten später hörte ich meinen Hund laut geben und da sprang auch schon Reinecke zwei hinter uns heraus. Mit ihm beging auch ein Bock, der bereits abgeworfen hatte, die Flucht. Nun durften wir erst einmal warten, bis die Hunde zurückkehrten. Mein Teckel schaute kurze Zeit später wieder bei mir vorbei, nur die Bracke blieb verschwunden. Naja.. wird schon wiederkommen. Weiter ging es. Ca. eine Stunde drückten wir uns durch das zweite Waldstück. Langsam wurde ich nervös, weil sich Ben immer noch nicht hatte blicken lassen. Aber was will man machen, Bracken gehen eben weit. Umso glücklicher war ich als ich plötzlich einen schwer hechelnden Ben auf mich zulaufen sah. Puh! Zum Glück sind beide wieder heile an meiner Seite.
Gegen Ende des Treibens bat mich mein Gruppenführer noch in ein kleines Gatter zu klettern um dieses mit dem „flinken“ Teckel durchzudrücken. Der Zaun war fast so hoch wie ich aber irgendwie schaffte ich es hinüber. Es sah zwar bestimmt nicht besonders grazil aus aber das ist halt Jagd. Das Gatter war jedoch nicht besucht und so schoben sich mein Hund und ich am anderen Ende unter dem Zaun hindurch in die „Freiheit“. Jetzt war es auch schon 16 Uhr. Hahn in Ruh. Wir begaben uns langsam auf den Rückweg zu den Autos. Dort angekommen stillten die Hunde und auch ich erst mal unseren Durst. Die beiden hatten sich jetzt endlich einmal richtig ausgepowert und waren froh sich in ihre Decken kuscheln zu können. Jetzt war ich gespannt, was wohl auf der Strecke liegen würde. Am Treffpunkt angekommen loderte schon das warme Feuer und auch Kaffee, Kuchen und diverse andere Snacks standen zum Verzehr bereit. Alle erzählten von ihren Erlebnissen und nach und nach kam die Strecke zusammen. Am Ende lagen 4 Stücke Rehwild auf dem grünen Bett. Alle Schützen hatten einen guten und waidgerechten Schuss anbringen können. Die Strecke wurde verblasen. Dieser Moment in dem man seinen Respekt dem Lebewesen gegenüber bringt, finde ich immer und immer wieder einzigartig und auch ein Stückchen ergreifend. Und so endete ein spannender, anstrengender und zum Glück gut verlaufender Jagdtag. Besonders freute mich die positive Resonanz der Jäger meinen Hunden gegenüber. Besonders der kleine hatte laut mehreren, einen ganzen Kringel Fleischwurst verdient. Einen ganzen Fleischwurstkringel bekamen sie zwar nicht aber ein Schweineohr am Abend belohnte sie für ihre tolle Arbeit.



 







Donnerstag, 29. Oktober 2015

Jana

Ich heiße Jana, bin 20 Jahre alt und studiere Forstwissenschaften im schönen Göttingen. 
Meinen Jagdschein habe ich zu Beginn meines Studiums gemacht und seitdem gehe ich begeistert zur Jagd. Mit meinem Freund und einem Mitstudenten zusammen bejagen wir seit April 2015 einen Pirschbezirk bei den Niedersächsischen Landesforsten. Zu Intervalljagdzeiten sind wir außerdem in Thüringen und im Krücker am Harz unterwegs.

Mit Bestehen meiner Jägerprüfung habe ich begonnen, in einem Internetblog, meine Jagderlebnisse festzuhalten und spannende Geschichten weiter zu erzählen. Diesen dürft ihr auf www.janasjagd.blogspot.de auch gerne besuchen! :)

Im Zuge dessen habe ich ebenfalls angefangen Jagdausrüstung und Produkte zu testen und Berichte darüber auf bekannten Plattformen wie GearTester zu veröffentlichen.
Seit Oktober 2015 habe ich nun begonnen, neben dem Studium, bei dem Online-Jagdaustatter Hubertus-Fieldsports zu arbeiten und freue mich, Teil eines jagdbegeisterten Teams zu sein.

Nun heißt es für mich, Jagderfahrung sammeln, schöne Momente erleben und die Zeit genießen.
Und ab dem nächsten Jahr soll mich dabei voraussichtlich auch ein Hund begleiten.
Bis dahin will ich aber noch ein paar Erfahrungen für mich selbst machen und erst einmal ein wenig selbstständig für mich jagen.

Ich hoffe, Ihr wollt mich und die anderen Mädels ein wenig dabei begleiten!

Viel Spaß dabei und Waidmannsheil,

Eure Jana

Dienstag, 27. Oktober 2015

Die Quadratur des Kreises

... ist etwas, das eigentlich nicht möglich ist. Aber ich möchte trotzdem versuchen zu erklären, was passiert, wenn man auf Wildschweine jagen geht.
Wildschweine sind für mich das Spannendste aller Tiere. Sie sind sehr sozial, hochverträglich, sehr intelligent und lassen sich nur sehr schwer bejagen. Die Jagd auf Wildschweine findet nachts statt, da muss man schon eher von der hartgesottenen Sorte sein, wenn man nachts allein im Wald auf dem Hochsitz sitzt. Ich gehe gern nachts in den Wald, aber der Gruselfaktor begleitet mich immer. Mindestens einer meiner Hunde kommt zur moralischen Unterstützung mit, derzeit meist Freya, weil ich an unserer Bindung arbeite, eine Ansitznacht zu zweit sehr spannend ist. Es knackt und raschelt. In unserer weichgespülten Gesellschaft ist allein dieser Nervenkitzel etwas besonderes, eigentlich werden wir als Jäger, die wir nunmal von Natur aus sind, von unserer eigenen Technik genarrt. Meiner Meinung nach sind Menschen und auch Tiere dafür gemacht mehrfach in der Woche einen Adrenalinausstoss zu produzieren, warum laufen wir so weit? Weil wir das Körpergefühl mögen, wenn wir uns verausgaben. Warum versuchen kleine Kinder Frösche und Kaulquappen zu fangen? Genau, weil dort bereits dieser Nervenkitzel mit ins Spiel kommt.

Wir entwickeln immer mehr Technik, um uns vor diesem Nervenkitzel zu bewahren, aber führen wir das Ganze nicht ad absurdum?
Ist es nicht auch mit Jagdgegnern so, dass sie das, was wir uns als Menschen wünschen, auch Tieren zubilligen möchten?
Wir möchten ewig leben, die WHO hat gerade verlauten lassen, dass 50g Wurst am Tag zu Darmkrebs führen. Unweigerlich fühlte ich mich an Zigaretten erinnert, 5 Zigaretten am Tag und das Lungenkrebsrisiko steigt. Auf der anderen Seite müssen wir das Rentenalter anheben, mit 65 ist heute niemand mehr alt. Aber ist der Zustand wirklich erstrebenswert, wenn wir uns selbst um die Dinge bringen, die uns im Leben Freude machen? Ich bin jetzt nicht der angefressene Wurstesser, aber ich empfinde diese Entwicklungen als problematisch. Wie dem auch sei, dem einen sei die Wurst gegönnt, ich schiesse sie lieber.
Einhergehend mit dem Nervenkitzel, den wir Menschen offenbar brauchen, denn sonst würden wir den ja nicht bekommen, kommt auf der Jagd auch die Frage: Was habe ich getan?

Ich erinnere mich sehr gut an mein erstes Schwein, ich sass, wie immer allein auf meinem Sitz mit meinem Hund und war noch gar nicht so parat, als ich Schweine hörte. Neben dem Hörem spüre ich  Schweine, es fühlt sich an, als würde man sehr, sehr fest umarmt werden, ich kann dann kaum noch atmen, wenn sie nah sind, mein Herz hämmert.
Man hört sie zwar von weitem, aber wenn sie vor einem stehen, in der Nacht an der Kirrung, dann sehen sie aus, wie Geister. Sie sind schwierig zu bejagen, man darf trotz pochendem Herzen keinen Fehler machen und muss sehr konzentriert bei der Sache bleiben. Ich war wahnsinnig nervös, nervöser als bei meinem ersten Stück. Aber es ist eine Nervosität, die in unserer Welt keinen Namen mehr kennt, dieses alte, in der heutigen Zeit nicht mehr wichtige Jagdgen wird geweckt. Es gibt einen Moment, da schaltet sich der Kopf aus und ich fange an zu funktionieren, ich spule mein Programm ab, das ich mir vorher zurechtgelegt hab, Waffe hochnehmen, einsetzen, atmen, spannen, visieren und dann ausatmen, der Schuss bricht von allein, wenn alles passt. Es geht irgendwann im Kopf nicht mehr darum, dass man da ein Tier schiesst, sondern es geht darum, es zu überlisten. Es geht darum, dass man diesen Nervenkitzel, vor dem wir uns sonst so bewahren, spüren kann. Jagen gehört in unser genetisches Programm, wir wären niemals das geworden, was wir sind, wenn wir nicht jagen würden.
Was da aber mit mir passierte, als ich das Schwein beschossen hatte, dass darf man kaum erzählen. Wie gesagt, ich habe völlig instinktiv, ruhig und auf einer Ebene gearbeitet, die ich sonst so nicht von mir kenne. Der beschossene Frischling verendete unter meiner Kanzel, nach dem Schuss war ich über mich selbst und diese Handlung so schockiert, dass ich es kaum ertragen konnte. Mir laufen die Tränen bei jedem Stück, bei Rehen bin ich sehr bedacht, aber durch die Spannung, die die Sauenjagd mit sich bringt, war ich noch viel mehr in der Jagd selbst gefangen und gleichzeitig gehalten. Als diese Spannung abfiel und ich sicher war, dass ich den Frischling sauber getroffen hatte, war das Gefühl zwischen Stolz und Trauer stärker, als jemals zuvor.
Was habe ich dem Tier genommen? Vielleicht wäre es ein stolzer Keiler geworden? Was hätte das Leben bereitgehalten für das Tier?
Schweine sind so sozial, so spannende Tiere. Natürlich weiss ich  viel über Zuwachsraten und diese ganzen rationalen Dinge, weshalb man Schweine schiessen muss, aber nichtsdestotrotz liegt dann dort ein Individuum, eine einzelne Kreatur, ein Schicksal, das man beendet hat. Ich sage mir selbst immer wieder, dass ich das moralisch und ethische Recht habe, hinterher. Während und vor der Schussabgabe sind meine Überlegungen viel weniger breit, sondern ganz deutlich fokussiert. Jagd ist der einzige Ort, an dem mein Körper das tun kann, worauf er programmiert wurde. Ich sitze lange Zeit, schaue in den Wald, höre und atme frei vor mich hin, wenn alles gut läuft, dann hab ich irgendwann die Möglichkeit diesen Adrenalinausstoss, der uns über Jahrmillionen begleitet hat, zu bekommen. Das ist mit nichts vergleichbar, keine Achterbahn, nichts, es ist ein archaisches, spannendes Gefühl. Vermutlich sind Jäger deshalb so ausgeglichene Menschen, sie dürfen all das durchleben, wofür wir gemacht sind, sie müssen nicht künstlich weichgespült leben, sie müssen nicht so tun, als wüssten sie nicht, wozu ihr Hirn und ihr Körper gemacht sind. Ruhe und Aufregung, die wahre Quadratur des Kreises.

Montag, 26. Oktober 2015

Isabel

Jagd ohne Hund ist Schund

Moin und Waidmannsheil aus dem Oldenburger Münsterland!
Ich heiße Isabel, bin 28 Jahre alt und von Beruf Lehrerin. Meine erste Treibjagd ist schon um die 20 Jahre her. Als kleines Mädchen durfte ich meine Gummistiefel anziehen und zusammen mit meinem Vater, unserem Weimaraner und den anderen Jägern über Felder und Wiesen ziehen. Und abends beim Schüsseltreiben in der Kneipe gab es Cola, Pommes und danach ein Duplo – der perfekte Tag also.
Den Jagdschein habe ich 2011 im Kurs der Jägerschaft Cloppenburg gemacht. Es war eine tolle Zeit: beeindruckende Lehrinhalte, kalte Tage auf dem Schießstand, interessante Gespräche und leckerer Kuchen. Letztes war wohl auf die hohe Frauenquote (16 der 54 Jagdscheinanwärter waren weiblich) zurückzuführen. Seither prägt das Thema Jagd meinen Alltag.
Meine Weimaranerhündin Bailey hatte ich schon 2 Jahre vor dem Jagdschein und habe direkt nach meiner bestandenen Jägerprüfung mit ihrer Ausbildung begonnen. Keine 3 Monate später hatte sie die Brauchbarkeitsprüfung.
Am liebsten gehe ich auf Niederwildjagd: Bewegung, Hundearbeit, Zusammenarbeit und – natürlich - das Schüsseltreiben.
Wie es aussehen kann, wenn das Thema Jagd den Alltag prägt, werdet ihr in diesem Blog erfahren. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Jagdmädels!

Waidmannsheil
eure Isabel

P.S. Fuchs kann immer kommen.


Hase in Riesling-Sahne-Sauce

Das hier ist der erste Post in unserer neuen Kategorie Rezepte, denn schon unsere Vorfahren
nutzten die Jagd zur Nahrungsgewinnung. Da für mich Wildbret eines der hochwertigsten
Lebensmittel überhaupt ist, ist es für mich auch selbstverständlich, es selbst zu verwerten.
Mitten in dem Revier wo wir jagen, befindet sich auch der Sender Wildhandel, der für uns
immer das Wild fertigmacht. Im Sommer zum Beispiel Grillspieße oder Wildwürstchen, sehr
lecker!
Der Hase, den ich heute zubereitet habe, haben wir allerdings selbst abgebalgt und auch
zerlegt, für mich eine ganz neue Erfahrung! Ich finde es einfach toll, wenn man sein Stück
Fleisch von Anfang bis zum Ende begleiten kann und gerade deshalb finde ich es
unbegründet, dass man sich als Jäger immer das Wort „feige“ anhören muss, denn ich
entscheide mich bewusst dafür, dieses Tier aus der Natur zu entnehmen, wohingegen andere
die Augen davor verschließen, dass ein Tier für ihren Genuss sterben musste. Ich höre dann
oft: „Wenn ich das Tier nicht sehe, stört mich das nicht.“. Das finde ich feiger, als dass was
wir Jäger machen. Aber oft sind diejenigen so voreingenommen und versteift in ihrer
Meinung, dass ein sachliches Argumentieren leider nicht möglich ist.
An dem Abend, wo wir den Hasen erlegten, hatten wir gleich dreifaches Waidmannsheil!
Mein Vater konnte neben ihm nämlich noch eine Ricke und ihr Kitz erlegen. Wir haben
unglaublich viel Rehwild im Revier, welches sehr gerne in die Neuaufforstungen geht. Das
findet der Revier- und auch Waldbesitzer nicht soo toll…
Unser Wachtelrüde Morton hat dann die Ricke, die noch ca. 40m gelaufen ist, erfolgreich
nachgesucht!

Nun aber zu meinem Rezept. Das Grundrezept habe ich folgender Seite entnommen:
http://www.essen-und-trinken.de/rezept/307917/kaninchenkeulen-in-riesling-sahne.html##



Das Kaninchen ersetzte ich durch den Hasen und anstatt einen Sud aus den Steinpilzen zu
machen, habe ich aus der Hasenrippe Fond gekocht.
Sonst habe ich mich eigentlich an das Rezept gehalten, nur die Kräuterseitlinge habe ich
weggelassen.


Als Beilage wählte ich gedünsteten Brokkoli und Blumenkohl.
Lacht nicht über die Größe der Portion, ich schaff nicht so viel. Lieber nehme ich noch was
nach :D


Zum Nachtisch gab es dann eines meiner Lieblingsdesserts: „Australian Apple Crumble“. Ich
weiß nicht, warum das so heißt, es ist aber unglaublich lecker, denn es passt so gut in den
Herbst.
Für diesen Nachtisch habe ich vier Äpfel in Würfel geschnitten und in eine Auflaufform
gelegt. Danach mischte ich 100g Zucker, 100g Mehl, 100g weiche Butter und einen Teelöffel
Zimt. Aus diesen Zutaten soll dann ein schöner Teig werden, den man über die Äpfel krümelt.
Das Ganze kommt dann ca. 30min bei 180°C (Umluft) in den Backofen, bis der Teig auf den
Äpfeln gold-braun ist.


Guten Appetit!

Eure Marlen