Donnerstag, 29. Oktober 2015

Jana

Ich heiße Jana, bin 20 Jahre alt und studiere Forstwissenschaften im schönen Göttingen. 
Meinen Jagdschein habe ich zu Beginn meines Studiums gemacht und seitdem gehe ich begeistert zur Jagd. Mit meinem Freund und einem Mitstudenten zusammen bejagen wir seit April 2015 einen Pirschbezirk bei den Niedersächsischen Landesforsten. Zu Intervalljagdzeiten sind wir außerdem in Thüringen und im Krücker am Harz unterwegs.

Mit Bestehen meiner Jägerprüfung habe ich begonnen, in einem Internetblog, meine Jagderlebnisse festzuhalten und spannende Geschichten weiter zu erzählen. Diesen dürft ihr auf www.janasjagd.blogspot.de auch gerne besuchen! :)

Im Zuge dessen habe ich ebenfalls angefangen Jagdausrüstung und Produkte zu testen und Berichte darüber auf bekannten Plattformen wie GearTester zu veröffentlichen.
Seit Oktober 2015 habe ich nun begonnen, neben dem Studium, bei dem Online-Jagdaustatter Hubertus-Fieldsports zu arbeiten und freue mich, Teil eines jagdbegeisterten Teams zu sein.

Nun heißt es für mich, Jagderfahrung sammeln, schöne Momente erleben und die Zeit genießen.
Und ab dem nächsten Jahr soll mich dabei voraussichtlich auch ein Hund begleiten.
Bis dahin will ich aber noch ein paar Erfahrungen für mich selbst machen und erst einmal ein wenig selbstständig für mich jagen.

Ich hoffe, Ihr wollt mich und die anderen Mädels ein wenig dabei begleiten!

Viel Spaß dabei und Waidmannsheil,

Eure Jana

Dienstag, 27. Oktober 2015

Die Quadratur des Kreises

... ist etwas, das eigentlich nicht möglich ist. Aber ich möchte trotzdem versuchen zu erklären, was passiert, wenn man auf Wildschweine jagen geht.
Wildschweine sind für mich das Spannendste aller Tiere. Sie sind sehr sozial, hochverträglich, sehr intelligent und lassen sich nur sehr schwer bejagen. Die Jagd auf Wildschweine findet nachts statt, da muss man schon eher von der hartgesottenen Sorte sein, wenn man nachts allein im Wald auf dem Hochsitz sitzt. Ich gehe gern nachts in den Wald, aber der Gruselfaktor begleitet mich immer. Mindestens einer meiner Hunde kommt zur moralischen Unterstützung mit, derzeit meist Freya, weil ich an unserer Bindung arbeite, eine Ansitznacht zu zweit sehr spannend ist. Es knackt und raschelt. In unserer weichgespülten Gesellschaft ist allein dieser Nervenkitzel etwas besonderes, eigentlich werden wir als Jäger, die wir nunmal von Natur aus sind, von unserer eigenen Technik genarrt. Meiner Meinung nach sind Menschen und auch Tiere dafür gemacht mehrfach in der Woche einen Adrenalinausstoss zu produzieren, warum laufen wir so weit? Weil wir das Körpergefühl mögen, wenn wir uns verausgaben. Warum versuchen kleine Kinder Frösche und Kaulquappen zu fangen? Genau, weil dort bereits dieser Nervenkitzel mit ins Spiel kommt.

Wir entwickeln immer mehr Technik, um uns vor diesem Nervenkitzel zu bewahren, aber führen wir das Ganze nicht ad absurdum?
Ist es nicht auch mit Jagdgegnern so, dass sie das, was wir uns als Menschen wünschen, auch Tieren zubilligen möchten?
Wir möchten ewig leben, die WHO hat gerade verlauten lassen, dass 50g Wurst am Tag zu Darmkrebs führen. Unweigerlich fühlte ich mich an Zigaretten erinnert, 5 Zigaretten am Tag und das Lungenkrebsrisiko steigt. Auf der anderen Seite müssen wir das Rentenalter anheben, mit 65 ist heute niemand mehr alt. Aber ist der Zustand wirklich erstrebenswert, wenn wir uns selbst um die Dinge bringen, die uns im Leben Freude machen? Ich bin jetzt nicht der angefressene Wurstesser, aber ich empfinde diese Entwicklungen als problematisch. Wie dem auch sei, dem einen sei die Wurst gegönnt, ich schiesse sie lieber.
Einhergehend mit dem Nervenkitzel, den wir Menschen offenbar brauchen, denn sonst würden wir den ja nicht bekommen, kommt auf der Jagd auch die Frage: Was habe ich getan?

Ich erinnere mich sehr gut an mein erstes Schwein, ich sass, wie immer allein auf meinem Sitz mit meinem Hund und war noch gar nicht so parat, als ich Schweine hörte. Neben dem Hörem spüre ich  Schweine, es fühlt sich an, als würde man sehr, sehr fest umarmt werden, ich kann dann kaum noch atmen, wenn sie nah sind, mein Herz hämmert.
Man hört sie zwar von weitem, aber wenn sie vor einem stehen, in der Nacht an der Kirrung, dann sehen sie aus, wie Geister. Sie sind schwierig zu bejagen, man darf trotz pochendem Herzen keinen Fehler machen und muss sehr konzentriert bei der Sache bleiben. Ich war wahnsinnig nervös, nervöser als bei meinem ersten Stück. Aber es ist eine Nervosität, die in unserer Welt keinen Namen mehr kennt, dieses alte, in der heutigen Zeit nicht mehr wichtige Jagdgen wird geweckt. Es gibt einen Moment, da schaltet sich der Kopf aus und ich fange an zu funktionieren, ich spule mein Programm ab, das ich mir vorher zurechtgelegt hab, Waffe hochnehmen, einsetzen, atmen, spannen, visieren und dann ausatmen, der Schuss bricht von allein, wenn alles passt. Es geht irgendwann im Kopf nicht mehr darum, dass man da ein Tier schiesst, sondern es geht darum, es zu überlisten. Es geht darum, dass man diesen Nervenkitzel, vor dem wir uns sonst so bewahren, spüren kann. Jagen gehört in unser genetisches Programm, wir wären niemals das geworden, was wir sind, wenn wir nicht jagen würden.
Was da aber mit mir passierte, als ich das Schwein beschossen hatte, dass darf man kaum erzählen. Wie gesagt, ich habe völlig instinktiv, ruhig und auf einer Ebene gearbeitet, die ich sonst so nicht von mir kenne. Der beschossene Frischling verendete unter meiner Kanzel, nach dem Schuss war ich über mich selbst und diese Handlung so schockiert, dass ich es kaum ertragen konnte. Mir laufen die Tränen bei jedem Stück, bei Rehen bin ich sehr bedacht, aber durch die Spannung, die die Sauenjagd mit sich bringt, war ich noch viel mehr in der Jagd selbst gefangen und gleichzeitig gehalten. Als diese Spannung abfiel und ich sicher war, dass ich den Frischling sauber getroffen hatte, war das Gefühl zwischen Stolz und Trauer stärker, als jemals zuvor.
Was habe ich dem Tier genommen? Vielleicht wäre es ein stolzer Keiler geworden? Was hätte das Leben bereitgehalten für das Tier?
Schweine sind so sozial, so spannende Tiere. Natürlich weiss ich  viel über Zuwachsraten und diese ganzen rationalen Dinge, weshalb man Schweine schiessen muss, aber nichtsdestotrotz liegt dann dort ein Individuum, eine einzelne Kreatur, ein Schicksal, das man beendet hat. Ich sage mir selbst immer wieder, dass ich das moralisch und ethische Recht habe, hinterher. Während und vor der Schussabgabe sind meine Überlegungen viel weniger breit, sondern ganz deutlich fokussiert. Jagd ist der einzige Ort, an dem mein Körper das tun kann, worauf er programmiert wurde. Ich sitze lange Zeit, schaue in den Wald, höre und atme frei vor mich hin, wenn alles gut läuft, dann hab ich irgendwann die Möglichkeit diesen Adrenalinausstoss, der uns über Jahrmillionen begleitet hat, zu bekommen. Das ist mit nichts vergleichbar, keine Achterbahn, nichts, es ist ein archaisches, spannendes Gefühl. Vermutlich sind Jäger deshalb so ausgeglichene Menschen, sie dürfen all das durchleben, wofür wir gemacht sind, sie müssen nicht künstlich weichgespült leben, sie müssen nicht so tun, als wüssten sie nicht, wozu ihr Hirn und ihr Körper gemacht sind. Ruhe und Aufregung, die wahre Quadratur des Kreises.

Montag, 26. Oktober 2015

Isabel

Jagd ohne Hund ist Schund

Moin und Waidmannsheil aus dem Oldenburger Münsterland!
Ich heiße Isabel, bin 28 Jahre alt und von Beruf Lehrerin. Meine erste Treibjagd ist schon um die 20 Jahre her. Als kleines Mädchen durfte ich meine Gummistiefel anziehen und zusammen mit meinem Vater, unserem Weimaraner und den anderen Jägern über Felder und Wiesen ziehen. Und abends beim Schüsseltreiben in der Kneipe gab es Cola, Pommes und danach ein Duplo – der perfekte Tag also.
Den Jagdschein habe ich 2011 im Kurs der Jägerschaft Cloppenburg gemacht. Es war eine tolle Zeit: beeindruckende Lehrinhalte, kalte Tage auf dem Schießstand, interessante Gespräche und leckerer Kuchen. Letztes war wohl auf die hohe Frauenquote (16 der 54 Jagdscheinanwärter waren weiblich) zurückzuführen. Seither prägt das Thema Jagd meinen Alltag.
Meine Weimaranerhündin Bailey hatte ich schon 2 Jahre vor dem Jagdschein und habe direkt nach meiner bestandenen Jägerprüfung mit ihrer Ausbildung begonnen. Keine 3 Monate später hatte sie die Brauchbarkeitsprüfung.
Am liebsten gehe ich auf Niederwildjagd: Bewegung, Hundearbeit, Zusammenarbeit und – natürlich - das Schüsseltreiben.
Wie es aussehen kann, wenn das Thema Jagd den Alltag prägt, werdet ihr in diesem Blog erfahren. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Jagdmädels!

Waidmannsheil
eure Isabel

P.S. Fuchs kann immer kommen.


Hase in Riesling-Sahne-Sauce

Das hier ist der erste Post in unserer neuen Kategorie Rezepte, denn schon unsere Vorfahren
nutzten die Jagd zur Nahrungsgewinnung. Da für mich Wildbret eines der hochwertigsten
Lebensmittel überhaupt ist, ist es für mich auch selbstverständlich, es selbst zu verwerten.
Mitten in dem Revier wo wir jagen, befindet sich auch der Sender Wildhandel, der für uns
immer das Wild fertigmacht. Im Sommer zum Beispiel Grillspieße oder Wildwürstchen, sehr
lecker!
Der Hase, den ich heute zubereitet habe, haben wir allerdings selbst abgebalgt und auch
zerlegt, für mich eine ganz neue Erfahrung! Ich finde es einfach toll, wenn man sein Stück
Fleisch von Anfang bis zum Ende begleiten kann und gerade deshalb finde ich es
unbegründet, dass man sich als Jäger immer das Wort „feige“ anhören muss, denn ich
entscheide mich bewusst dafür, dieses Tier aus der Natur zu entnehmen, wohingegen andere
die Augen davor verschließen, dass ein Tier für ihren Genuss sterben musste. Ich höre dann
oft: „Wenn ich das Tier nicht sehe, stört mich das nicht.“. Das finde ich feiger, als dass was
wir Jäger machen. Aber oft sind diejenigen so voreingenommen und versteift in ihrer
Meinung, dass ein sachliches Argumentieren leider nicht möglich ist.
An dem Abend, wo wir den Hasen erlegten, hatten wir gleich dreifaches Waidmannsheil!
Mein Vater konnte neben ihm nämlich noch eine Ricke und ihr Kitz erlegen. Wir haben
unglaublich viel Rehwild im Revier, welches sehr gerne in die Neuaufforstungen geht. Das
findet der Revier- und auch Waldbesitzer nicht soo toll…
Unser Wachtelrüde Morton hat dann die Ricke, die noch ca. 40m gelaufen ist, erfolgreich
nachgesucht!

Nun aber zu meinem Rezept. Das Grundrezept habe ich folgender Seite entnommen:
http://www.essen-und-trinken.de/rezept/307917/kaninchenkeulen-in-riesling-sahne.html##



Das Kaninchen ersetzte ich durch den Hasen und anstatt einen Sud aus den Steinpilzen zu
machen, habe ich aus der Hasenrippe Fond gekocht.
Sonst habe ich mich eigentlich an das Rezept gehalten, nur die Kräuterseitlinge habe ich
weggelassen.


Als Beilage wählte ich gedünsteten Brokkoli und Blumenkohl.
Lacht nicht über die Größe der Portion, ich schaff nicht so viel. Lieber nehme ich noch was
nach :D


Zum Nachtisch gab es dann eines meiner Lieblingsdesserts: „Australian Apple Crumble“. Ich
weiß nicht, warum das so heißt, es ist aber unglaublich lecker, denn es passt so gut in den
Herbst.
Für diesen Nachtisch habe ich vier Äpfel in Würfel geschnitten und in eine Auflaufform
gelegt. Danach mischte ich 100g Zucker, 100g Mehl, 100g weiche Butter und einen Teelöffel
Zimt. Aus diesen Zutaten soll dann ein schöner Teig werden, den man über die Äpfel krümelt.
Das Ganze kommt dann ca. 30min bei 180°C (Umluft) in den Backofen, bis der Teig auf den
Äpfeln gold-braun ist.


Guten Appetit!

Eure Marlen

Samstag, 24. Oktober 2015

Merkel Helix Lady DS

In diesem Jahr hat die Waffenfirma Merkel eine neue Waffenserie, extra für Frauen, herausgebracht. Diese Waffen sollen speziell an den weiblichen Körper angepasst sein, um so eine leichtere und bessere Führung zu gewährleisten. 
Diese speziellen Ausführungen gibt es für die Modelle der Kipplaufbüchse K3, der Bockbüchse B3/4 und der Merkel Helix.

Im Sommer hatte ich das Glück und durfte, für ein Jagdwochenende in Brandenburg, die Merkel Helix Lady DS testen. 

Technische Daten (Änderungen hingegen des normalen Modells): 
  • kurzer Hinterschaft
  • Monte Carlo Backe
  • an die weibliche Anatomie angepasste Schaftkappe
  • gebogener Pistolengriff
  • Abzug nahe des Pistolengriffs (für kleine Hände)
http://www.cacicambra.pt/files/Merkel_RX_HELIX_Lady_DS_Line_Standard_04.jpg
Quelle: Google














Die Helix die ich führen durfte, war eine Lady DS in Standardausführung, d.h. ohne gehobene Schaftholzklasse oder ähnlichem mit einem Leica Magnus ZFR 1,8-12x50 und Ballistikturm.
Sie hatte das Kaliber .308 und war auf das neue RWS Hit Geschoss eingeschossen.  

Praxistest:

Gejagt werden sollte an diesem Wochenende Samstagmorgens und -abends, sowie am Sonntagmorgen vor der Abreise. Als Freigabe hatten wir Schmalrehe, Rehböcke der Klasse 1, Damspießer und -schmaltiere, Schwarzwild (außer führende Bachen) und Raubwild, d.h. Fuchs, Waschbär, Marderhund und Dachs. 
Beste Bedingungen auch das Geschoss und seine Wirkung zu testen.

Am Samstag in der Früh stand ich also auf, packte meinen Rucksack und holte die Waffe. 
Der erste Eindruck war eine leichte, führige Waffe an der nichts klapperte oder locker war.
Im Revier ließ sich das Einsteckmagazin leise laden und auch das Einführen in die Waffe ging problemlos und fast ohne jegliche Geräusche. 
Bei der etwas länger andauernden Suche nach einem passenden Hochsitz für mich, da der Hochsitz auf dem ich eigentlich sitzen sollte plötzlich verschwunden war, wurde mir die Waffe durch ihre Leichtigkeit nicht hinderlich oder unangenehm beim tragen. 
Irgendwann hatten wir dann einen passenden Platz gefunden. Nachdem ich mich dort eingerichtet hatte, fing ich an in jede Richtung Anschlagsübungen zu machen, um zu prüfen, ob ich auch in jede Richtung einen sicheren Anschlag und so einen sauberen Schuss gewährleisten konnte. Die Waffe passte bei jedem Versuch auf Anhieb, was mir selbst ein gutes Gefühl gab. 
Langsam fing es an zu dämmern und plötzlich konnte ich am Getreideschlag links von mir einen Schatten erkennen, welcher sich kontinuierlich auf mich zu bewegte. Intuitiv griff ich zu meinem Fernglas, legte es aber sofort wieder beiseite, um das neue Leica Zielfernrohr zu testen. Das Bild war trotz des schlechten Lichtes scharf und ich erkannte ein Stück Rotwild. Dank des 12-fachen Zoomes war es mir damit möglich dieses Stück als Schmaltier anzusprechen. Natürlich schaltete ich auch gleich das Leuchtabsehen ein, welches wirklich gut gelungen ist. Es wird nicht nur der Zielpunkt beleuchtet, sondern auch die verschiedenen Stufen des Ballistikturmes, welches das Schießen auf weitere Distanzen selbst bei Dämmerung und schlechtem Licht zulassen würde. 
Auch blendete mich das Leuchten nicht, denn durch die variabel einstellbare Nacht & Tagstärke ist es 1. für das Auge sehr angenehm, 2. wird das Zielfernrohr nicht verblendet und 3. kann man selbst beim Tag, also auch bei Drückjagden, mit Leuchtpunkt schießen. 
Nun war das Stück Rotwild krachend hinter mir im Wald verschwunden und ich genoss die morgendliche Stille, den Sonnenaufgang und das herrliche Vogelgezwitscher. Bald darauf ließ sich jedoch ein Damspießer blicken, welcher mich, im ersten Moment, total in Aufregung versetzte. Seine Spieße hatten jedoch doppelte Lauscherhöhe, was ihn als nicht jagdbar einstufte.
Kurz vor halb sechs hatte ich dann eine Ricke vor, welche ein nicht normales und eher krankes Verhalten aufwies. Deshalb entschied ich mich nach langem hin und her zum Schuss. Den Handspanner der Waffe musste ich jedoch mit beiden Daumen bedienen, da er noch sehr schwergängig war. Als das Stück dann auf ca. 150 Metern zum stehen kam, konnte ich mit der 12-fachen Vergrößerung das Absehen perfekt auf der Kammer platzieren und schoss. Auch das Repetieren fiel trotz des Gradezugsystems schwer, was ich als etwas hinderlich empfand, da ich durch die Aufregung sowieso schon stark am zittern war. Ich denke mal das lag aber daran, dass die Waffe ganz neu war. 
Das RWS Hit Geschoss hatte jedoch gute Arbeit geleistet und das Stück an Ort und Stelle verenden lassen, trotz des "kleinen" Kalibers. Auch hatte ich beim Schuss kaum Rückstoß gefühlt, obwohl die Waffe so leicht ist.
Nachdem dann meine zwei Jagdfreunde bei mir angekommen waren, gingen wir zum Stück und mir fiel ein gewaltiger Stein vom Herzen. Der Abschuss war vollkommen richtig gewesen, denn die Ricke hatte vom Haupt bis zum Spiegel, also über den ganzen Rücken gezogen, schwarze und vergammelte Haut mit weiteren unschönen Dingen, welche ich jetzt nicht nennen mag.
Um dann noch etwas über die Geschosswirkung zu sagen: der Ausschuss war nicht groß, aber groß genug für evtl. Schusszeichen für die Nachsuche, desweiteren gab es kaum Hämatome. Nach dem Aufbrechen gab es dann mit den anderen Jägern, also in bester Gesellschaft, ein wirklich köstliches Frühstück in gemütlicher Runde. So konnte der Morgen wunderbar abgeschlossen werden.

Beim abendlichen Ansitz hatte ich dann nochmal den Damspießer und ein weibliches Stück Damwild vor, welche ich wunderbar mit dem Zielfernrohr ansprechen konnte, wodurch ich mein Fernglas gar nicht benötigte.



Fazit:

Die Merkel Helix Lady DS ist eine Waffe die hervorragend auf die weibliche Jägerin angepasst ist. Sie besticht durch ihre Leichtigkeit und Führigkeit auf der Jagd. Die Waffe lässt sich leise laden und es kann sogar ein 5-Schuss Magazin geliefert werden. Das einzige Problem ergab sich für mich in der Handspannung, die meines Erachtens etwas schwerfällig für nur einen Daumen ist.
Ansonsten ist diese Waffe wirklich weiter zu empfehlen!
Das Zielfernrohr hat mich durch den verstellbaren Leuchtpunkt und sogar die einzelnd beleuchteten Stufen des Ballistikturms überzeugt. Das Leuchten schaltet sich sogar automatisch ab, wenn man die Waffe quer hinlegt oder nach einem bestimmten Zeitraum, um die Batterien zu schonen. Das variable Glas lässt einen Wirkungskreis vom Ansitz, über die Pirsch, bis hin zur Drückjagd zu und die Qualität der Bildschärfe ist wirklich hervorragend. Auch das Geschoss ist meiner Meinung nach eine sehr gute Lösung für all diejenigen, die entweder Bleifrei schießen müssen oder freiwillig umsteigen.



Mit Waidmannsheil & Waidmannsdank,

Martje

Maiböckchen im September


Liebe Waidmänner und Waidfrauen,

heute muss ich euch von meinem langersehnten Maibock erzählen.
Wie der Titel schon sagt, kam mein "Maibock" erst im September.

Lange habe ich darauf warten müssen, aber das war es mir wert. Es zog sich von Juni bis zum 27. September. Von drei der Ansitzen muss ich euch erzählen, denn irgendwie war nie war die richtige Gelegenheit dafür oder es ging immer etwas schief, aber davon gleich mehr im Text.

Ansitz 1:

Das erste Mal saß ich auf einer halboffenen Kanzel und wusste, dass dort in dem kleinen Wäldchen zwei Böcke stehen. Ich war unglaublich gespannt darauf, ob ich an diesem Tage etwas sehen werden.
Lange war es ruhig. Rechts neben mir im kleinen Waldabschnitt war die Kirrung und neben dran eine kleine Schlucht. In dieser knackte und knirschte es schon eine ganze Weile. Ich war gespannt was sich mir zeigen würde, denn damit hat glaube ich niemand gerechnet!!!

Vor mir im Wald konnte ich durch dünne Ästchen das Schmalreh und den Bock dazu erkennen. Aber ich konnte nicht schießen und somit genoss ich einfach nur den Anblick und hoffte, sie würden noch auf die Kirrung raus treten. Tja wie sollte es anders sein, dass knacken und knirschen in der Schlucht nahm zu und irgendwie hörte es sich für mich nicht so ganz nach Wild an. Welcher Anblick sich mir dann zeigte, lies mir kurz den Atem stocken.

Es wuselte im herab gefallenen Laub umher. Am Anfang konnte ich es schlecht erkennen, doch dann.....
Es war sehr hell vom Haarkleid her, ging schon in Richtung einer Falbe bei einem Pferd. Es hatte vier kleine Beine, einen langen Körper und eine Rute hinten dran. Ja ihr Lieben, ein Dackel hatte sich verirrt. Diesen Dackel habe ich schon einmal im Revier getroffen, jedoch war da noch sein rehbrauner Kumpel mit dabei. Damals erschreckten sie mich, als sie durch den Senf gerannt kamen und kurz vor mir und meinen Hunden wieder rumdrehten. Damals hatte ich leider keine Kamera dabei um Fotos für meinen Pächter und den Besitzer der beiden zu machen.
Erst dachte ich, er sei da runter gerutscht und kommt nicht wieder hoch, da er ganz aufgeregt immer wieder in meine Richtung lief. Kurz überlegte ich ihm zu helfen und stieg die ersten drei Sprossen der Kanzelleiter hinunter, aber dann.......

Dieser kleine Mistkerl und sein kleiner Kumpel liefen an der Seite der Kirrung hinauf und erspähten natürlich das Rehwild, welches sich immer noch im kleinen Wäldchen aufhielt. Sie rannten auf das Wild zu und das Rehwild raus auf das Feld. Ich war kurz davor zu schreien, denn beide Dackel waren ohne Besitzer wieder mal alleine im Revier unterwegs. Zum Glück sind die Beine kurz genug und das Rehwild konnte flüchten. Ich rief also von der Kanzel aus nach den zwei kleinen Monstern und machte mit meiner Kamera Fotos für meinen Pächter. Diesmal würde der Ärger etwas größer sein. Ich rief meinen Pächter an und schilderte ihm den Fall, dann sendete ich ihm die Fotos zu und naja wie ihr euch denken könnt, kam an dem Abend kein Wild mehr in Anblick.

Ansitz 2:

Nach dem letzten verpatzten Ansitz versuchte ich mein Glück erneut auf der Kanzel. Es war super warm und ich freute mich auf einen sonnigen Herbsttag. Wieder saß ich und lauschte einfach der Ruhe, als ich es aus dem kleinen Wäldchen knacken hörte. Ich konnte nichts sehen, auch mit dem Fernglas erspähte ich absolut nichts. Zuerst dachte ich an einen dicken Vogel, der im Laub nach Nahrung suchte aber dann.......

Irgendwie ziehe ich immer so ein paar komische Situationen an ;-). Es knackte und raschelte und ich wartete und wartete und wartete. Nichts war zu sehen, aber das sollte sich gleich ändern.
Da stand sie nun. Groß war sie und irgendwie sah sie aus, als ob sie schon länger unterwegs war. Ja was glaubt ihr, was mein Anblick wohl war?? Ein Schmalreh, eine Fuchsfähe oder vielleicht eine Sau????
Tja, falsch gefehlt.......

Es war eine Frau mit einem Weidenkorb die erstmal über die Kirrung trampelte und von jedem der Bäume dort ein kleines Ästchen mit der Astschere abschnitt. Irgendwie wusste ich nicht, ob ich heule oder lachen sollte. Na toll, ein super toller Anblick und es sollte an dem Abend wieder mein einziger Anblick bleiben.
Schwer genervt rief ich meinen Pächter an und er riet mir, mir auf das gegenüberliegende Feld anzusetzen. Ja gesagt getan. Bin ich mit Sack und Pack hin gelaufen, die Kamera im Anschlag für vielleicht tolle Motive.
An der Kanzel angekommen, musste ich erst einmal die ganzen Spinnen und Mottenleichen beseitigen, damit ich mich nicht wie auf einem Friedhof fühle.
Ja ich saß dort, schrieb meinem Freund und entschied ein wenig pirschen zu gehen und Fotos zu schießen. Gerade auf der Hälfte des Weges begann es zu regnen. Schön wenn man endlich mal seine Kamera im Regen testen kann ;-). Es sind coole Fotos von Regenbögen und einer halbfertigen Kanzel entstanden, die wie ich finde, einfach super schön sind.
Naja nichts erlegt, ist bekanntlich auch gejagt!!! So ging ich zufrieden Richtung Treffpunkt und wartete sehnsüchtig auf meinen Freund.





Ansitz 3 - der große Tag:

Nach diesen etlichen Versuchen, endlich meinen Maibock erlegen zu können, ging ich ohne große Erwartungen wieder auf die Halbkanzel. Es war warm und alles ruhig. Ein schöner Septemberabend, bei dem schon richtig Herbststimmung aufkam. Der Herbst ist ja meine liebste Jahreszeit und wieder einmal bewunderte ich verträumt die bunten Blätter an den Bäumen.
Im Senffeld konnte ich ein Schmalreh und einen Bock erkennen, jedoch war der Bock zu weit weg und lief dann in Richtung des Horizontes, also weiter aus meiner Blickrichtung. Ich machte mir keine Hoffnungen mehr, dass er vielleicht umdrehen würde. Ich beobachtete beide eine ganze Weile und lehnte mich dann wieder zurück an die Kanzel. Langsam zog ein kleines Lüftchen auf. Die ganze Zeit war ich mit meinem Freund per Telefon in Kontakt.

Doch dann passierte es............



Damit rechnete ich heute gar nicht mehr. Der Bock drehte im Senf und lief Richtung Schmalreh, welches am Feldesrand äste. Puhhh nun stieg der Puls bei mir an und auf einmal war mir richtig kalt. Ich zitterte am ganzen Leib und hatte zutun, mich zu beruhigen. Oh Gott, er kam weiter nach unten gezogen, immer weiter Richtung Schmalreh. Dann nach 10 weiteren Minuten der Aufregung stand er auf der Höhe vom Schmalreh. ich traute meinen Augen kaum als ich das sah. Ich wollte meine Waffe aus der hinteren Ecke nehmen und sah am Waldrand eine Ricke mit Kitz austraten. Den Anblick musste ich noch kurz im Fernglas genießen und schnappte mir dann meine Waffe.
Das Sitzbrett passte nicht, als ich in den Anschlag ging. Also Waffe wieder gesichert und Brett verschoben. Boar, man hat mich das alles genervt. Hatte so schon mit meiner Aufregung zutun und dann passte es nicht!!! Zum verrückt werden wenn es mal passen muss. So es passte und ich sah ihn, aber es hebte sein Haupt einfach nicht.

Menno, so lange habe ich gewartet und nun schien es so, als würde es wieder nicht passen wollen. Ich raschelte mit der Tasche am Boden, juckte das Rehwild gar nicht. Hmmm dann pfiff ich einmal, es zuckte nicht einmal. Kurz vor meinem Heulkrampf, pfiff ich noch zwei Mal und endlich hebte er sein Haupt hoch.

Da war er, der Moment kurz vor dem Abdrücken. Ich bekam meinen Puls nicht unter Kontrolle. Ich setzte nochmals ab und dann war ich mir sicher!! Ich pfiff, kontrollierte meine Atmung, hielt die Luft an, zielte aufs Blatt und dann....PENG!!!!! Durchs Feuer sah ich, dass er absprang und dann im Senf verschwand. Vor Aufregung, konnte ich nicht mal mehr sagen ob er über den Horizont hinaus lief oder ob er davor liegen blieb.

Aufgeregt schrieb ich meinem Freund der sich sofort auf den Weg machte und ich rief meinen Pächter an, der sofort los fuhr und zu mir kam. In der Zeit lief ich zum Feld und suchte mein Böckchen. Ich fand keinen Anschuss, keinen Schweiß und war kurz vor dem Verzweifeln. Zu dritt suchten wir dann das Senffeld ab. Es wurde immer dunkler und nun war ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich vielleicht gefehlt hatte.

Dann die Erlösung, mein Freund entdeckte durch Zufall Schweiß. Er rief unseren Pächter und der suchte weiter im Senf. Jetzt liefen die Tränen bei mir, so aufgeregt war ich. Dann rief mein Pächter ganz trocken: "Na holst du ihn mal raus?" und ich rannte ihm entgegen. Da lag er, mein langersehntes Maiböckchen. Mir wurde ein kräftiges Waidmannheil gewünscht und ich bedankte mich ganz freudig. Ich sah, dass schlecht abgekommen bin und freute mich gleich nicht mehr so sehr.
Ich denke ich war zu aufgeregt und bin damit abgekommen. Den ganzen Abend dachte ich an den nicht so tollen Schuss und überlegte, was ich verbessern kann beim nächsten Mal.

Da ich eh nicht so der Fan von Erlegerbildern bin und dort ja schnell aufbrechen und versorgen musste, gibt es von diesem Bock auch kein Foto. So scharf bin ich da ehrlich gesagt nicht drauf und deswegen finde ich es gar nicht traurig, dass es keins gibt.

Nachdem ich ihn aufgebrochen hatte und wir mit allem soweit fertig waren, saßen wir noch in der kleinen Runde am Tisch und redeten über den Bock. Ein super Abschussbock und unser Pächter war mächtig stolz.

Nun hängt er an der Wand, auf einem schönen Brett und ich denke bestimmt noch lange an diesen einen Bock. So lange habe ich gewartet, nun war ich überglücklich und zufrieden.

Ich denke, jeder hat so etwas schon einmal erlebt, nur sprechen die wenigsten wohl in der Öffentlichkeit darüber. Aus diesen Fehlern lernt man und solange das Tier nicht leiden musste, muss ich weiter meine Aufregung in den Griff kriegen um das nächste Mal besser zu treffen.

Jeder hat mal klein angefangen und man lernt nie aus!!!

Ich wünsche trotzdem allen viel Waidmannsheil und immer einen schönen Anblick.

Josi

Freitag, 23. Oktober 2015

Jäger/in werden ist nicht leicht...

Ich bin Jägerin.
Genau das wollte ich sagen können, wenn mich jemand nach meinem Hobby fragt. Zugegeben, das Interesse für die Jagd hat sich bei mir erst relativ spät entwickelt. Es schien so, als ob sich das „Jagdgen“, welches mein Papa mit in die Familie gebracht hat, bei meinem Bruder wie auch bei mir, nicht so richtig durchsetzen wollte. Doch im Alter von 16 Jahren fasste ich dann doch den Entschluss und meldete mich bei unserem heimischen Jagdkurs an. Die jagdliche Ausbildung meines Zwergrauhaardackels „Moritz“ und auch das ein oder andere Jagderlebnis an der Seite meines Vaters hatten das Gen wohl doch zum Vorschein gebracht.
Und so ging es auch schon los. Mitte September begann der Jagdkurs und somit begann neben der Vorbereitung auf meinen Schulabschluss auch das Lernen für das „Grüne Abitur“. Jeden Dienstag und Donnerstagabend von 19:00–21:00 Uhr fand der Vorbereitungskurs statt.
Alles fing mit dem Thema „Waffenkunde“ an.
Ja, ich denke für Frauen gibt es schon das ein oder andere interessantere Thema innerhalb der Ausbildung, aber auch das gehört nun mal dazu. Im Endeffekt war es dann doch gar nicht so schlimm wie gedacht, und durch die ständige Wiederholung, für die mein Vater natürlich höchstpersönlich gesorgt hatte, saß auch der meiner Meinung nach schwierigste Teil der gesamten Ausbildung gut.
Als es dann mit der Wildtierkunde und dem Jagdlichen Brauchtum weiterging, fühlte ich mich schon direkt wohler und ging in der Materie regelrecht auf.
Im Januar kam dann zu den beiden Tagen in der Woche noch der samstägige Aufenthalt am Schießstand, um auf die Schießprüfung vorbereitet zu werden. Die Schießprüfung. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, was in der Hinsicht auf mich zukommt, hätte ich mir das ganze wohl nochmal anders überlegt. Aber dazu später.
Die Wochen vergingen wie im Flug, und je näher die Prüfungen rückten, umso schneller verflog die Zeit. (Ich sage bewusst „PrüfungEN“, da ich natürlich das unfassbare Glück hatte, dass die drei jagdlichen Prüfungen genau mit den drei schulischen zusammenfielen.)
Das Lernen machte mir jedoch Spaß. So lernte ich lieber die Jagdzeiten der Lach-und Silbermöwen, die im Raum NRW wohl von besonderer Bedeutung sind, statt mir verschiedene „ach so wichtige“ mathematische Gleichungen zu merken.
Anfang April wurde es dann langsam Ernst. Bis jetzt hatte auch eigentlich alles gut geklappt. Bis jetzt. Das Lernen war noch immer nicht das Problem im Gegensatz zum Schießen. Auch da war nie so wirklich etwas schief gelaufen. Na gut, der Kipphase wollte nicht zu 100% jedes mal kippen aber 7-8 Hasen hatte ich bei den erlaubten 10 Versuchen immer zum Liegen gebracht.
Warum jetzt aber plötzlich nicht mal 4 fallen wollten (die im übrigen nicht zum Bestehen der Prüfung führen) war mir, meinem Vater und auch den Ausbildern ein Rätsel. Spätestens ab dem Zeitpunkt hätte ich wohl besser mit der Einnahme von Baldrian beginnen sollen, denn meine Nerven waren gespannt wie Drahtseile. Es konnte doch verdammt noch mal nicht sein, dass so kurz vor der Prüfung nichts mehr klappen wollte.
Zwei Wochen vor der Prüfung nochmal ein Lichtblick! Ich hatte tatsächlich wieder 8 Hasen zum Kippen gebracht. Ein riesiger Stein fiel mir vom Herzen, wobei dieser auch direkt hätte da bleiben können, denn beim letzten Schießstandbesuch vor der Prüfung traf ich wieder nur 4.
Na ja, ich war zwar völlig am Ende, womit ich allerdings auch nicht alleine war, denn meiner Familie hatte ich in der letzten Zeit auch ganz schön Nerven gekostet, und gerade mein Vater betete wohl jeden Abend zu Gott, dass dieser doch meine Schießkünste wenigstens am entscheidenden Tag wiederkommen lassen sollte.
Nun kam die entscheidende Woche. Zwei meiner schulischen Prüfungen hatte ich bereits gut hinter mich gebracht und auch der schriftliche Teil der Jagdprüfung war mit 87 von 100 Punkten gut bestanden.
Fehlten nur noch die Schieß-, die Mündlich-praktische- und die Matheprüfung.
„Gott steh mir bei“ war wohl der Satz, der mir innerhalb dieser Zeit am meisten durch den Kopf ging.
Am Morgen der Schießprüfung war mir schlecht, was auch meine Mutter, die mich netterweise als seelischer Beistand begleitete, nicht durch positives Zureden ändern konnte.
Mein Motto des Tages : „Augen zu und durch“ gab mir wenigstens ein wenig Halt. Und los ging es. Zuerst die 5 Schüsse auf die Bockscheibe. 47 Ringe! Bestanden! Danach die 5 Schüsse auf den laufenden Keiler. 4 Treffer! Bestanden!
Ja super, dachte ich mir, mit so viel Euphorie muss der Hase heute doch kippen. Schön wäre es. Ich betrat den ach so verhassten Raum und vergaß direkt zu Anfang, meine Ohrstöpsel in die Ohren zu stecken. Oh oh, kein gutes Omen, dachte ich mir. Da lag ich leider auch vollkommen richtig.
Der erste Durchgang war mit nur 2 Treffern nicht bestanden. Und auch den zweiten hätte ich mir eigentlich sparen können, da ich bereits nervlich nicht mehr „stabil“ war. Die Worte des Prüfers klingen mir heute noch im Ohr :,,Das waren leider nur 3 Treffer. Damit haben sie nicht bestanden und müssen zur Nachprüfung in 4 Monaten antreten.“
So schnell hatte ich den Schießstand noch nie verlassen.
Das einzig Positive an diesem Tag war, dass bis auf drei meiner ''Mitschüler'', alle die Prüfung erfolgreich bestanden hatten. Für diejenigen freute ich mich natürlich trotzdem, auch wenn es zugegebenermaßen nicht ganz einfach war.
Trotz des deprimierenden Erlebnisses raffte ich mich noch einmal zusammen und bestand so die in der nachfolgenden Woche anstehende mündlich-praktische Prüfung.
Die Tatsache, dass ich nach der misslungenen Schießprüfung in ein sehr tiefes Loch fiel, war jedoch bitter.
An diesem einen Tag hatte ich ganz schön zu knabbern. Aber nach 2-3 Wochen, in denen ich mir eine kleine Auszeit gönnte, schmiedeten wir einen Plan, damit die Nachprüfung zum Bestehen führt.
Dieser Plan war recht simpel und lautete: ,,Schießen, schießen, schießen!“ Mein Vater bestellte kurzerhand 500 Schrotpatronen und los ging es. Genau kann ich es zwar nicht mehr sagen, aber ich denke ca. 250 dieser Patronen hätten wir genau so gut aus dem Fenster werfen können.
Als ich jedoch durch Zufall eine eigene Flinte bekam, endlich den Doppelschuss anwandte und lernte meinen Kopf beim Schießen auszuschalten, wendete sich das Blatt kurz bevor ich aufgeben wollte doch noch zum Guten. Von nun an saßen die Schüsse.
Am 4. September 2014 war es soweit. Meine letzte Chance, Jägerin zu werden, stand bevor.
Und ja, dieses Mal hatte ich definitiv ein besseres Gefühl. Dachte ich zumindest. Über diese Leichtsinnigkeit lache ich jedoch heute noch.
Ich war die erste, die ihr Glück versuchte. Zuerst der Kipphase.
Ohje! Meine Eltern, die dieses Mal beide mitgekommen waren, schluckten schwer, als ich mich auf den Weg zum Häschen machte. Doch Tatsächlich, ich brachte 8 von ihnen zu kippen. Durch die große Anspannung, die abfiel, konnte ich nicht anders und fiel allen drei Prüfern in die Arme... ihnen standen auch die Schweißperlen auf der Stirn!
Danach die Bockscheibe. 47 Ringe! Bestanden!
Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich meiner Mutter danach auf dem Parkplatz zuflüsterte, dass ich jetzt eigentlich schon bestanden hätte, da es beim laufende Keiler wirklich noch nie ein Problem gegeben hatte. Zu früh gefreut. Ich traute meinen Augen nicht, als die Keilerscheibe zurückfuhr und ich 5 in einer Perlenkette aneinandergereihte Einschusslöcher nur 1cm unter dem gültigen Bereich sah. Es war einer der demütigsten Momente in meinem Leben, als ich aus dem Schießstand trat, alle sich praktisch schon freuten und ich mitteilen musste, dass ich gleich nochmal rein müsse. Mein Vater machte sich daraufhin auf den Weg in den Wald, meine Mutter musste sich erst einmal setzen, und ich war immer noch perplex von der Situation. Ich weiß heute immer noch nicht, wie ich damals die Nerven behalten konnte und einigermaßen gefasst den zweiten Versuch antrat, bei dem ich mit dem letzten Schuss bestand.
Ich fiel allen Prüfern nochmals um den Hals, die sich sehr für mich freuten. In den Armen meiner Eltern löste sich dann endgültig die Last und dicke Tränen bahnten sich ihren Weg.
Von nun an durfte ich mich tatsächlich ganz offiziell eine Jägerin nennen.
Warum ich so schlecht geschossen habe? Diese Frage kann ich nur mit einer Vermutung beantworten. Ich gehe davon aus, dass meine Nerven einfach nicht mitgespielt haben. Denn einen Monat nach der Prüfung war ich mit meinem ersten eigenen Drilling und eigener Flinte noch einmal auf einem Schießstand und es gab keinerlei Probleme. Auch mein erstes erlegtes Stück Rehwild lag im Knall.
Wenn mich heute jemand darauf anspricht, versuche ich es mit Humor zu nehmen und sage :,,Ich wollte es halt spannend machen.“
Denn die Hauptsache ist doch, dass ich es geschafft habe.

Theresa