Sonntag, 27. Dezember 2015

Tender loving care

Dieses Prinzip wurde mir während meines Veterinärmedizinstudiums zur Versorgung von Wunden beigebracht. Man kann alles für eine Wunde tun, das Wichtigste ist: Tender loving care.
Mein ganz persönliches Weihnachtsmärchen hat bereits im April angefangen, als ich diesen verwahrlosten, stinkenden Vierbeiner, der irgendwann mal ein stolzer Drahthaar war, zu mir geholt habe.
Freya, so heißt das Tier, ist mein Märchen. Phoenix from the ashes. Was ich miterleben durfte, und wovon ich immer wieder berichtet habe, ist ein Märchen. Bis anhin gab es in unserer Familie nie Hunde aus zweiter Hand, schon gar nicht so üble Fälle. Aber dieses Mädel ist anders, ganz anders. Sie stellt alles auf den Kopf.
Sie kam als eine einzige Wunde, die Seele krank, aufgeregt, hyperig, manchmal fast schon fiebrig. Von der Welt manchmal schier erschlagen, kotzte sie den letzten Mageninhalt in unser Auto und verweigerte fortan das Fressen. Haarlos von den Flanken bis an die Ohren, mit Milben und geschundenen Füßen, die vor lauter Filz kaum noch stehen konnten und zum Teil schon blutig waren.

Wie auch immer ich mich in diesen Hund verlieben konnte. Der Mann in meinem Leben tat das einzig Richtige und stellte nie in Frage, warum ich diesen Hund ins Auto gepackt habe. Er stellte nie in Frage, warum er aufs Sofa umziehen musste, denn der einzige Liegeplatz, den dieser Hund annahm, war mein Bett. Er stellt bis heute nie in Frage, warum ich viel, viel Zeit mit diesem Hund verbringe, der in den Augen einiger sowieso wertlos ist. Manchmal verstehe ich es selbst nicht ganz, aber ist nicht genau das der Zauber von Märchen?

Es wäre alles so viel einfacher gewesen, wenn ich sie dort gelassen hätte. Aber das passiert in Märchen eben auch nicht. Wie blauäugig und wie dumm ich war, bemerkte ich später und es wurde mir - märchenhafterweise - nie zum Verhängnis. Ich glaubte immer an diesen Hund und habe nie daran gezweifelt, dass sie gesund werden würde. In ihrer Seele und am Körper. Ich bekam nach und nach Geschichten von Drahthaar aus zweiter Hand mit, aber so war das Mädel nie! Sie biß nicht, war nicht böse. Sie reihte sich - manchmal zähneknirschend - in die letzte Reihe des Rudels ein und wollte einfach nur allein gelassen werden. Fürchterlich ernst und nie aufgedreht, sondern immer völlig kontrolliert...manchmal viel zu überlegt für einen dreijährigen Hund. Ich erzog mein Mädel sehr intuitiv, machte sie zu meiner Handtasche und zeigte ihr drei Monate lang die wilde Welt. Wir wohnten mitten in der Stadt, sie musste alles nachholen, was sie an Eindrücken nicht kannte. Ich habe in meinem Leben noch keinen Hund so tief schlafen sehen, wie dieses zarte Mädel. Eine großrahmige Hündin ist sie bei Weitem nicht, sondern viel eher fein, drahtig, zäh und stark, wie ein Ochse. Sie nahm alles hin: eine in Schichten arbeitenden Besitzerin, einen rotzfrechen Beagle, der ihr das Futter, das sie nicht nehmen wollte, wegfraß. Und immer wieder sahen mich ihre starken Bernsteinaugen an, als wollten sie mir danken. Sie lernte, in Vorlesungssälen zwischen tippenden Macbooks zu schlafen und hielt manchen Vortrag mit mir vor meinen Kommilitonen. Da meine Hunde die Erlaubnis besitzen, mit zu den Veranstaltungen zu gehen, musste ich sie nie geheim halten. Abgesehen davon ist sie so handlich wie ein Klavier, verglichen mit meinem zu heiß gewaschenen Beaglemädchen. Anfangs war sie überrascht über die Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wurde, aber sie gewöhnte sich an ihre schnell wachsende Fangemeinde. Ich bin mir sicher, dass kein anderer Hund dieser Welt einen solchen Schlafzimmerblick hat.

An Jagd war lange nicht zu denken, nicht einmal an Gehorsam. Sie war einfach dabei und entdeckte ihre Marotten. Keine Katze ist vor ihr sicher und bei Sichtkontakt jodelt sie - auf den Hinterbeinen stehend - das ganze Quartier zusammen. Obwohl sie sich standhaft weigerte zu apportieren, was ich ihr gab, brachte sie mir jeden Igel, dem sie habhaft werden konnte. Lebendig versteht sich! So freundlich wäre sie mit den Katzen nicht umgegangen, wenn ich sie gelassen hätte.
Nur einmal zeigte sie bisher, dass es in ihrem Leben nur einen Chef gibt: Beute gibt sie mir und nur mir. Das erfuhr eine Freundin von mir, als sie ihr ein geklautes Rehgehörn abnehmen wollte.
Es dauerte, bis ich das erste, ernsthafte Training beginnen konnte. Es war eine Gratwanderung für beide; schwierig, schön. Jeder Schritt voran begleitet von vier Schritten zurück. Beim ersten Spiel hätte ich fast geweint, beim ersten Apport wars wirklich so weit. Es war hart. Alles das, was ein junger Hund anbietet, kam nicht, ...nichts! Zwischenzeitlich ging sie mir verloren, fand wieder heim, bange Stunden voll Angst und Zweifel. Was habe ich falsch gemacht? Je länger ich mit dem Hund arbeitete, desto mehr brauchte und verlangte er starke Führung,... die ich bisher nie in dieser Form angewendet habe - nie böse, aber immer bis ins Mark konsequent. Niemals hat mich ein Hund so beschützt, mir niemals so viel abverlangt, aber auch nie so viel gegeben.

Dieser Hund ist mein Weihnachtsmärchen, endlich ist sie zugänglich geworden in ihrem Schneckenhaus. Seit drei Tagen spielt sie tatsächlich mit unseren anderen Hunden. Sie spielt mit mir, wird ein albernes, junges Ding. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich über einen Hund freuen würde, der sich auf eine Hundedecke legt, der albern ist. Aber mein Weihnachtsmärchen wird wahr. Ich darf und kann diesen unglaublichen Hund in seinem Haus besuchen, sie lässt mich ein. Das, worauf ich immer gehofft habe, wird wahr. Es entsteht ein starkes Band zwischen uns, ehrlich und hoffentlich unverbrüchlich. Sie durfte die ersten Drückjagden mitlaufen. Sie findet Wild und hält trotzdem Kontakt zu mir, bei jedem anderen Hund würde ich das als normales Verhalten quittieren, aber bei ihr war nichts normal.
Nun liegt sie auf ihrem pinken Mädchenkissen, das ich ihr schon lang hingelegt habe und ist noch immer unsicher, ob das nun richtig so ist, was sie tut. War sie lange Zeit der Meinung, dass die Annehmlichkeiten der anderen Hunde niemals für sie gelten könnten, so sieht das heute anders aus. Eins ist geblieben, sie lässt mich nie aus den Augen, wenn ich sie brauche, dann steht sie da. Sei es auf der Jagd, im Training oder im Alltag. Tender loving care, ich habe sie mit aller Liebe, die ich aufbringen konnte, gepflegt, geherzt und beschützt.

Freitag, 11. Dezember 2015

Mein schönstes Jagderlebnis

Wenn mich demnächst jemand nach meinem schönsten Jagderlebnis fragt, werde ich definitiv mein gestriges nennen.

Wie so oft an einem Sonntagmorgen beschloss ich, schon morgens früh am Abend ins Revier zu fahren, um mich zum bereits sechsten mal auf meinen ersten Rehbock anzusetzen.
Dieser Bock war ein schwaches Stück, allerdings mit 3 Stangen auf dem Haupt.
Er hatte seinen Einstand unglücklicherweise in der Nähe einer vielbefahrenen Bundesstraße und wurde von unserem Jagdaufseher schon des Öfteren direkt an der Straße gesichtet.
Je weiter der Nachmittag vorrückte und je mehr Wolken am Himmel aufzogen, um schlechtes Wetter zu verkünden, desto mehr ließ leider auch meine Motivation für den Abendansitz nach.
Nachdem ich mich jedoch aufgerafft hatte, eine Runde mit meinen beiden Hunden zu drehen, kam doch noch die Sonne durch und mit ihr kam auch meine Motivation zurück.
Zu Hause angekommen habe ich mich schnell umgezogen, meine Sachen gepackt und bin losgefahren.
Mein Ziel war ein kleiner, provisorischer Erdsitz am Rande einer großen Wiese.
Als ich jedoch ankam, traute ich meinen Augen nicht, da ein riesiger Holzstapel direkt vor meinem Sitz positioniert worden war.
Die Drahtseile meiner Nerven spannten sich langsam und ich überlegte, auf einen benachbarten Sitz auszuweichen.
Aus einer Eingebung heraus entschied ich mich jedoch gegen den „Umzug“ und begab mich an die Arbeit, den Sitz neben den Holzstapel zu befördern.
Einige Flüche und genervte Blick meines Zwergrauhaardackels später war alles bereit. Da ich eh schon so laut gewesen war, sparte ich mir das mühselige Anbringen des Tarnnetzes und ließ mich direkt nieder.
Nach kurzer Zeit in trauter Zweisamkeit machte mir ein Eichhörnchen, welches permanent über meinem Kopf herumsprang, zu schaffen. Das Ästeknacken war sicher kilometerweit zu hören.
Na toll, wäre ich doch besser zu Hause geblieben!
Aber was wäre die Jagd ohne unverhoffte und spannende Erlebnisse?!
Nach ca. einer Stunde, in der auf der Wiese rein gar nichts passierte, schrieb ich meinem Vater noch eine Nachricht, dass absolut „ tote Hose“ sei.
Kurze Zeit später blickte ich jedoch auf, und da stand er: mein Dreistangenbock. Natürlich witterte auch mein Hund den nur ca. 20 m entfernten Rehbock und versuchte seinen Blickwinkel um die Ecke des Holzhaufens zu verbessern. Ich, intelligent wie ich war, hatte natürlich vergessen, den kleinen Rabauken festzumachen. Ganz langsam versuchte ich also, meinen Hund festzuhalten und bat ihn mit leisem Zischen, sich still abzulegen. Der Bock hatte dies natürlich wahrgenommen und reagierte äußerst vorsichtig. Ständiges Sichern wechselte sich mit Scheinäsen ab. Das alles auf nur 20m.
Und da war sie, meine Chance! Der Dreistanger stand breit. Anvisieren, Entsichern und Peng.
Es folgte eine kurze Flucht zum Waldrand, in dessen Schutz er dann zusammenbrach. Große Erleichterung machte sich in mir breit. Mein Hund, der alles aus nächster Näher mitbekommen hatte, saß neben mir und schaute mich aufgeregt an.
Langsam packte ich meine Jagdausrüstung zusammen und rief danach meinen stolzen Vater und unseren Jagdaufseher an, die sich sofort auf den Weg zu mir begaben.
Danach machte ich mich auf den Weg zu meinem ersten, erlegten Rehbock.
Ich denke jeder Jäger, der die Jagd mit wirklicher Leidenschaft ausführt, kennt das bewegende Gefühl, wenn er an ein erlegtes Tier herantritt.
Meiner Meinung nach ist es einfach wichtig, sich kurz die Zeit zu nehmen, um in sich zu gehen und dem Lebewesen den nötigen Respekt zu erweisen.
Besonders, wenn es der erste Rehbock ist. Wenn man dann noch das Glück hat, dass dieser ein Dreistangenbock ist, ist es ein Erlebnis, welches man nie mehr vergessen wird und wofür man dankbar sein sollte.
Der Schuss war ein sauberer Küchenschuss, was meine Freude nur noch mehr steigerte, da es der erste Schuss auf lebendes Wild mit meiner Sauer 101 Artemis war.
Was mir nach dem Erlebnis aber im Kopf geblieben ist, war der Spruch meines Vaters: "Und ist der Bock auch noch so fett, er kommt dem Jäger nicht ans Bett." Diesen hält er mir immer vor, wenn meine Motivation mal wieder zu schwinden droht.

Waidmannsheil

Theresa



Freitag, 4. Dezember 2015

...mal wieder als Hundeführerin dabei

Hallo ihr Lieben,

jetzt melde ich mich auch mal wieder, nachdem ich viel zu tun hatte mit meinem Umzug und so weiter.

Am Samstag ging es bei uns in den Kreis Höxter, wo jedes Jahr eine recht große Drückjagd am letzten Novemberwochenende stattfindet. Auf den anderen Drückjagden wo ich war, hatte ich immer einen Stand, aber irgendwie ist es als Hundeführer doch spannender ;)

Schon seit dem vorletzten Jahr, als ich noch keinen Jagdschein hatte, begleite ich meinen Vater dorthin. Im Moment haben wir ja nicht so viele Hunde im Einsatz, denn unsere Hündin Polly bekommt bald Welpen, und dem kleinen Münsterländer, den wir sonst immer mitnehmen, geht es derzeit nicht so gut.

Also hatten wir „nur“ vier Hunde dabei. Morton und Amsel, die Wachtelhunde und Xenia und Tux, die Jagdterrier. Außerdem war auch noch der Züchter von Morton und Xenia dabei, der Xenias Bruder dabeihatte, ihre Mutter Speedy und ihren Vater Winston (der übrigens auch der Vater unserer Welpen ist), sowie Mortons Mutter und seine Schwester Malou. Also sozusagen eine Familienjagd ;)
Morgens um 5:30 Uhr klingelte der Wecker: Anziehen, Hunde einpacken, Amsel von Zuhause abholen und noch schnell Frühstück bei unserem Lieblingsbäcker holen. Das ist sozusagen ein Ritual von uns, morgens zum Bäcker, abends zu McDonalds. Das machen wir immer so :D

Um 8:15 Uhr war Treffen und um 9 Uhr ging das Treiben los. Es war auch sofort Bewegung in der Dickung, und die Hunde waren laut. Ich bin zusammen mit einem kleineren Jungen durchgegangen, der aber ganz euphorisch war. Im ersten Treiben haben wir drei Sauen gesehen, das war’s dann auch. Der Jagdleiter war schon etwas enttäuscht, dass nach dem ersten Treiben so wenig auf der Strecke lag, aber das sollte sich im zweiten Treiben ändern ;)

Nachdem wir uns mittags mit Linsensuppe gestärkt haben, ging es um 13 Uhr los mit dem zweiten Treiben. Das Wetter war schon besser geworden, und die Sonne schien sogar. Dann war richtig was los, die Hunde waren laut und ich hatte richtig viel Anblick. Mehrere Sauen, Waschbären und Rehe. Ich habe sogar einen starken Keiler gesehen, der etwas langsamer zu Fuß war, da laufkrank. Er drückte sich dann in der Dickung. Als wir dachten, dass wir ihn nicht mehr rausdrücken konnten, kam Morton auf einmal um die Ecke, lief in die Dickung und gab Standlaut. Dann sah man nur noch die Büsche wackeln und den Keiler grunzen. Ich denke, dass Morton ihn versucht hat zu halten, aber der Keiler war viel zu stark, sodass Morton ihn losließ und weiter laut verfolgte. Nachher erzählte mir einer, dass genau dieser Keiler ihn annehmen wollte, er die Beine nur noch breitmachen konnte und der Keiler durch seine Beine hindurch rannte und ihn dann mitnahm! Da hat er nochmal Schwein gehabt, dass nicht mehr passiert ist ;) Unsere Hunde haben auch zwei Sauen gehalten, sodass mein Vater zwei Frischlinge mit dem Messer abfangen konnte.

Letztendlich lagen ca. 50 Stücke Wild auf der Strecke, was im Vergleich zum letzten Jahr eher etwas weniger war. Am Wichtigsten ist aber wie immer, dass alle Hunde wieder heile nach Hause gekommen sind und dass sicher und gewissenhaft geschossen wurde.








Waidmannsheil!

Donnerstag, 26. November 2015

Mein zweiter Rehbock



Jagd ist eine Beschäftigung, zu deren Ausübung man viel Geduld benötigt.
Nicht selten ereignen sich frustrierende Momente, und der ach so entspannte Abend füllt sich mit Frust und Ärger.

So war es nicht an jenem Abend, von dem ich Euch berichten möchte, jedoch am Abend zuvor.

16. Juni 2015

Mein Freund und ich hatten einen entspannten Tag verbracht und es trieb uns nun raus, mit dem Abschussplan ein wenig vorran zu kommen.
Mein letztes Stück zuvor hatte ich Anfang Mai geschossen, und wir haben seitdem so gut wie jeden Tag angesessen.
Es war schon spät, aber wir beschlossen, uns nicht hetzen zu lassen, und noch schnell einen Abstecher zum örtlichen Fastfood-Restaurant zu machen, ehe wir in Richtung Revier fuhren.
Im Nachhinein, so sage ich ganz ehrlich, hätte ich mich dafür in den Arsch beißen können.
So fuhren wir nun, froh und glücklich, den sonnigen Tag genießen zu können, in Richtung Wald.


Ich beschloss, mich an einer Windwurffläche anzusetzen, an welcher unser Jagdkollege und Freund Christoph den Abend zuvor einen braven Rehbock ausgemacht hatte.
Ein kurzer Blick auf die Uhr bestätigte mir, dass wir es schon reichlich spät hatten… Nun ja, also besonders vorsichtig sein beim Angehen.

Mit einem Waidmannsheil stieg ich aus dem Auto aus, und machte mich langsam auf, die Rückegasse bis zum Hochsitz entlang zu pirschen.
Die zu Beginn links und rechts stehenden alten Fichten lichteten sich nach einigen Metern und gaben den ersten Blick auf die Windwurffläche preis.

Andere Jäger, oder auch einfach naturverbundene Menschen, kennen den Anblick, wenn die rote, untergehende Abendsonne zwischen den Wipfeln der Bäume durchscheint und alles in ein orange-goldenes Licht taucht. Ein wunderschöner Anblick- jedoch eine trügerische Lichtsituation auf einer von Baumstumpen und Ästen übersäten Windwurffläche, auf der ich gleichfarbiges Rehwild ausmachen wollte.
So glaste ich beim angehen immer wieder aufmerksam die Freifläche vor mir ab, ging ein Stück weiter, und wiederholte den Vorgang.
Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den anderen, blieb stehen, und hob das Fernglas.
Keine 20 Meter entfernt stand links vor mir der beschriebene brave Rehbock.

Mein Herz fing an zu rasen. Ich ging sofort in die Hocke, doch es war zu spät. Scheinbar hatte jedoch etwas anderes den Bock beunruhigt, und so äugte er kurz in meine Richtung, lief noch einige Meter neben mir an mir vorbei und verschwand im Fichten-Altholz.

Hoch frustriert und mit Tränen der Enttäuschung verbrachte ich den Ansitz in Gedanken damit, mich zu fragen, wo der Bock so plötzlich her kam, und warum ich ihn nicht früher gesehen hatte. Wild habe ich den Abend keines mehr gesehen.



17. Juni 2015

Nach dem enttäuschenden Erlebnis des vorigen Abends war ich nun fest entschlossen, es heute ein wenig früher zu versuchen.
Mein Freund hatte leider keine Zeit, und so beschloss ich, mit dem mich aufmunternden Christoph den Ansitz zu verbringen. Bereits sehr zeitig hatten wir uns auf dem Hochsitz eingerichtet und Entspannung machte sich breit. Ich lehnte mich zurück und beschloss, darauf zu vertrauen, dass der Bock zu seiner festen Zeit austreten würde.
So verharrten wir eine Weile, bis gegen 20.15 Uhr mein Blick wie von selbst zur rechten Seite wanderte.
„Pssst, Christoph! Da!“, flüsterte ich, und deutete in Richtung des ausgemachten Tieres.
Merkwürdiger Weise war ich zwar sehr freudig und aufgeregt, jedoch frei von Jagdfieber und Hibbeligkeit. Hoch konzentriert und ruhiger als Buddha (zumindest habe ich mich im Vergleich zu meinem ersten Bockjagderlebnis tatsächlich ziemlich „in mir ruhend“ gefühlt :D ) legte ich auf und nahm den Bock ins Absehen meines Zielfernrohres.
Ich entsicherte, legte meinen Zeigefinger vorsichtig und bedacht auf den Abzug.
Ich atmete tief ein und aus und ließ die Kugel fliegen.
Komischerweise repetierte ich sogar direkt wie von selbst durch, keine Spur von „vor Aufregung vergessen“. Es war ein unbeschreibliches Gefühl von Freude und hoher Konzentration, als gäbe es in dieser Minute nichts anderes auf der Welt. Nur mich in dem Wald, wie ich die Büchse im Anschlag habe und den Bock im Visier.
Im Knall sprang Christoph auf, schaute durchs Fernglas.
„Er liegt!“, sagte er voller Aufregung, „Jana, Waidmannsheil, er liegt!“
Erst in diesem Moment begannen meine Finger zu zittern und ein Gefühl unglaublicher Aufregung durchströmte mich.
Tief durchatmend warteten wir eine Zigarettenlänge ab, bis wir abbaumten, um den Bock zu bergen.

Es war ein wunderschönes, stattliches Tier, mit einem starken Gehörn in sehr besonderer Form, wie ich finde. Der stärkste Bock, den ich bisher erlegt habe, und auch vorhatte.

In großer Anstrengung bargen wir das erlegte Tier über die unwegsame Windwurffläche und gaben ihm seinen letzten Bissen.

Der Moment war unbeschreiblich schön, irgendwie wie im Märchenbuch.


Ich kann nicht sagen, warum ich bei diesem Bock so unfassbar ruhig war. Bei dem Bock vorher, und auch bei den erlegten oder „beinahe erlegten“ Stücken danach, war ich bis jetzt nie mehr so ruhig und sicher in dem, was ich tue, wie an diesem Tag. Sicherlich bin ich mir auch in allen anderen Situationen sicher, das richtige Tier zu erlegen, aber an diesem Tag war es bisschen das Gefühl, dass ich genau dort hingehörte. Das klingt vielleicht ein bisschen kitschig, aber das Gefühl dieses Jagderlebnisses hat mir klar gemacht, dass sich die Strapazen des Jagdscheins, Streitgespräche mit Mitjägern oder Jagdgegnern, frustrierende Phasen, in denen man mit kalten Füßen als Schneider nach hause fährt, lohnen.
Für mich war dieses Bockjagderlebnis irgendwie ein Schlüsselereignis.  

Ich bin unglaublich und unfassbar dankbar, dass ich das erleben darf und durfte!




.308 Hornady GMX
ca. 180m Schussentfernung
Keine Todesflucht

Wild daheim


Seitdem ich Jägerin bin, gehe ich mit anderen Augen durch die Welt. Durch die Natur, na klar, aber auch durch die Einkaufsläden.
Hirsche, Rehkitze, Füchse mit aufgerissenem Fang, Klamotten in jagdgrün - ding ding ding.
Ich denke, dieses Gefühl kennt jede Jägerin nur zu gut.


Viel Spaß in meinem wilden Heim. Soweit möglich, werde ich Bezugsquellen verlinken.


Eure Isabel




Handtuch: h&m
Gehörn vom Rehbock: links: Schwerin
                                          rechts: Osteressen





Postkarten






Kalenderblätter von C.Thran, z.B. hier: Kalenderblätter von C.Thran





Hirschfigur: Schleich
Postkarte rechts: IKEA
Postkarte linksAfter Work Party





Den Hirsch haben wir zu Weihnachten bekommen. Eine Freundin hat ihn selbst gemacht. Wer sich ein DIY Tutorial wünscht, darf gerne unten kommentieren.






Dekoschale Isabella: Westwing













DIY - Idee für Kinderaktion mit der Rollenden Waldschule / Infomobil der Jägerschaft / ... (gebastelt bei der Fortbildung zum DJV Naturpädagogen)




Hirschfiguren: z.B. Gentlemen





Schmuckaufbewahrung; links: Peenwerder, rechts: Siehenfelde




Das Foto hat eine liebe Freundin aus Amerika gemacht.










Paravent: kare-design





Weißwedelgnu: Namibia
Paravent:kare-design





Hirsch Hakenleiste: eBay

Ein Bloggespräch

Nein, hier wird es sich nicht um meine Telefon -oder Stromabrechnung drehen. Hier wird es um MEINE Gedanken und Erfahrungen gehen.
Und um meine Gedanken, denn Josi und ich ergänzen uns hier gerade sehr gut. 
Jeden Tag beobachte ich diese schnelllebige Gesellschaft. Oh, heute bist du im Internet mega beliebt, den nächsten Tag dann wieder nicht. Immer mehr stößt sie mich ab, und ich merke, dass ich mich in meine kleine Welt zurückziehe. Es ist nicht Angst, die sich breit macht, sondern EKEL! Was passiert hier gerade?
Das frage ich mich auch oft, was tun wir hier eigentlich? Wir investieren Zeit und Nerven in ein Medium und wissen oft gar nicht, was mit unseren Ideen passiert. Wir wissen nicht, wer die Texte nur zur Hälfte liest und dann ungelesen verreist. Wie schnell werden "Freundschaften" zerrissen! Früher hat man sich geprügelt, heute versucht man es direkt mit Rufmord.  
Vor ein paar Tagen lag ich im Bett und dachte an einen Tag in meiner Kindheit. Damals war ich vielleicht so 8 oder 9 Jahre alt. Ich stellte mir einen typischen Ostertag vor. Es war warm, die Sonne schien durch alle Fenster in die Zimmer herein. Pastellfarbene Osterfiguren standen im Flur auf einer Kommode, ein Osterstrauß stand in einer großen Vase auf dem Boden. An diesem Strauß hingen kleine Ostereier und andere Figuren. Für mich war es immer toll, die Osterglocken pflücken gehen zu dürfen und sie in eine Vase auf den Esstisch stellen zu dürfen. Es war zu dieser Zeit einfach alles schön. Dies ist ein Bild, welches ich recht oft im Kopf habe und einen Vergleich zu der jetzigen Zeit anstelle.
Wir sprechen ja wirklich oft und gern von den guten alten Zeiten. Aber manchmal komme ich mir tatsächlich vor, als hätte ich die Schulstunde "Beware! Es gibt viele böse Menschen auf der Welt!" geschwänzt und stattdessen auf dem Hundeplatz verbracht. Die Bösartigkeit und besonders der Narzissmus von manchen Menschen ist oft nicht zu überbieten. 
Die Welt wirkt grau und voller Hass. Mache ich den Fernsehr oder das Radio an, wird erzählt, wie Menschen aufeinander losgehen, sich erschießen, sich Schmerzen und Leid zufügen. Ich finde diese Welt erschreckend, und wird bleiben nicht vor diesen Tatsachen verschont. Ich möchte diese Flut an Nachrichten nicht mehr sehen oder hören. NEIN, ich verschließe nicht meine Augen vor dem, was woanders passiert. Trotzdem muss ich sagen, ich habe die Nase gestrichen voll davon. Macht man die sozialen Netzwerke an, so geht es hier gleich weiter. Böse Flüchtlinge heißt es, Krieg und Terror liest man in einer anderen Ecke. Dann kommen da noch böse Kommentare hinzu, von Menschen die keine Ahnung haben und nie einen Perspektivwechsel in ihrer Kindheit erlernt haben.
Manche von unseren Mitmenschen machen es sich tatsächlich oft viel zu leicht, Ängste werden geschürt, einige davon berechtigt, andere wiederum erinnern an Hetze. Wenn man sich dagegen ausspricht, über den "melden"-Button, dann ist man sofort ein Verräter. Dürfen wir -trotz gemeinsamem Hobby Jagd- nicht auch unterschiedliche Ansichten haben? Müssen wir immer zusammenstehen und uns auf der anderen Seite als Jungjägerinnen entweder allein gegen Aussagen wie "Mörderin", "Tierquälerin", oder aus den eigenen Reihen "Dummchen", oder besonders gern genommen "Darf ich dich beschlagen" wehren? Wir sind kein Freiwild. Wir Waidfrauen könnten mehrere Blogseiten füllen, auf denen wir Screenshots posten, in denen uns Männer jeden Alters "tolle Angebote" machen. 
Das alles soll und darf meinen Alltag und mein Leben nicht bestimmen. Ich mag die sozialen Netzwerke, und auch Instagram. Ich kann mich mit Menschen von der ganzen Welt unterhalten, wenn ich das möchte. Ich kann mich schnell mit anderen austauschen und gleiche Interessen zum Gesprächsthema machen. Freundschaften entstehen weit über diese Plattform hinaus.  Ja, die sozialen Netzwerke haben ihre guten Seiten. 
Natürlich haben sie das, sonst hätte ich diese coolen Mädels ja nie gefunden und auch viele andere Dinge nie getan. Aber ich hätte mich manchmal eben auch nicht so sehr geärgert. 
ABER: Dann gibt es wohl diejenigen, die ihren Unmut, ihren Hass, ihr unvollkommenes Leben einfach im Internet ausleben wollen. Sie verbreiten Hass und Angst, beleidigen und denken über sich selbst, sie seien etwas besseres. Aber lasst euch gesagt sein: Ihr seid es ganz sicher nicht! Ihr seit nicht besser als andere. Jeder hat seine Vorzüge und auch Seiten an seiner Persönlichkeit, an denen es sich zu arbeiten lohnt. Ich bin für mich und mein Leben selbst verantwortlich und das sollte ich immer im Hinterkopf haben.
Dieser unglaubliche Narzissmus von einigen Individuen, die sich aufspielen und als Richter über die Welt sehen, ist unglaublich. 
Mein Blog, und auch der Blog "Waidfrauen auf Jagd", entstand, um Menschen, die mit der Jagd nichts anfangen können, für die Natur zu begeistern. Ihnen zu zeigen, dass Jäger und Jägerinnen, keine blutrünstigen Mörder sind. NEIN, es hat nichts mit rechtfertigen zu tun, jedoch sollte ich es wohl hier noch einmal erwähnen. 
Was wir hier tun, ist längst überfällige PR! PR, die uns Leute vorwerfen, die meinen, dass wir uns produzieren möchten. Wo wart ihr denn, als ihr vor zehn Jahren euren Jagdschein gemacht habt? Wie konnte es, trotz eurer guten Öffentlichkeitarbeit dazu kommen, dass wir heute das Lieblingsopfer der grünen, aufstrebenden (aber hoffentlich bald wieder sterbenden) Parteien sind? 
Ja, wir stellen uns in die Öffentlichkeit, wir machen Fehler, aber wir erreichen eine Generation, die ihr nicht erreicht habt. Nämlich unsere Generation! Eure Generation macht die Jagd gerade zu einem sauren Geschäft. 
Viele von uns arbeiten in sozialen Berufen! Ich scheue mich selbst nie, in meiner Schule offen zu sagen, dass ich Jägerin bin. Vielmehr sehe ich es so, dass die Jagd heute nicht mehr an Demonstrationen verteidigt wird, die schlussendlich sowieso verpuffen, sondern im Internet. In vielen, vielen Diskussionen. Eingefleischte Jagdgegner wird es immer geben, aber wie viele Menschen ich an der Uni schon von einer ablehnenden zu einer bejahenden Haltung bringen konnte, das glaubt ihr nicht. Auch meine Facebookseite hilft mir da immer wieder, weil ich den Menschen immer und immer wieder zeigen möchte, was Jagd alles ist. 
Viele Jahre gehe ich bereits mit zur Jagd, habe dabei viel gelernt und lerne immer weiter. Ich bin froh, solche Möglichkeiten zu haben und auf Erfahrungen von anderen treffen zu können. Was mich zutiefst erstreckt ist jedoch dieser Hochmut im Internet! Es gibt bessere und schlechtere Jäger. Ja, es gibt schwarze Schafe, aber die gibt es leider überall. Mal davon abgesehen ist niemand perfekt, und wenn das jemand von euch über sich denkt, dann merkt euch: Perfektion ist etwas Individuelles. Vielleicht sehe ich es nicht als perfekt an,  andere vielleicht schon. Wichtig ist einfach, dass man zu dem steht was man tut und das nicht nur im großen und weiten Internet, sondern auch im richtigen Leben. 
Ist es nicht jedermanns Bier, ob er sich eine Waffe kauft und den Namen eines Jagdgegners darauf schreibt? Mich persönlich erinnert es mehr an meine zwölfjährigen Schüler, die in einer ungelenken Aktion ihre Mitschüler fobben wollen. Meines Erachtens nach stellt es uns genau auf die gleiche primitive Seite, wie die Jagdgegner, die eine Horrorstory nach der nächsten erzählen. 
Im Internet lässt sich schnell mal etwas schreiben und sagen, wozu man im realen Leben niemals die Eier gehabt hätte. Oh, nun heißt es sicherlich bei einigen: "Das ist miserabel geschrieben" oder "Was hat das mit der Jagd zu tun?" Kann ich euch sagen. 
Es geht sogar so weit, dass Dinge kritisiert werden, die gar nicht gelesen wurden. Ich habe einen sehr kritischen Text zum Thema Nachsuchen geschrieben, natürlich von der Warte "aus meinem derzeitigen Blickwinkel". Das Echo war sehr interessant. Im öffentlichen Bereich wurde kritisiert, was das Zeug hält, zum Teil in einem Ton, der daran zweifeln lässt, dass die Autoren jemals eine halbwegs anständige Erziehung genossen haben. Andererseits erreichten mich genauso viele PNs wie Kommentare, die mich zum Weitermachen animierten. Aber so ganz öffentlich wurde die Unterstützung nie gemacht.  
Ein leidiges Thema sind Jagdgegner. Ein langweiliges und ausgelutschtes Thema. Sie sind böse, hetzen und wünschen vielen von uns den Tod. Uhhh, ich zücke mal mein Taschentuch. ;-) Meist sage ich mir, dass dies Menschen sind, die sich nicht aufklären lassen wollen. Sie müssen sich vielleicht nach einem Tag auf der Jagd selbst eingestehen, dass wir doch keine so schlechten Menschen sind. Jaja, ein Thema, das oft im Internet bedient wird. Ehrlich, dass Leben ist zu schön und zu kurz um mich mit damit aufzuhalten.
Was mich jedoch aufhält und mir aufstößt sind Jäger, die denken, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gegessen. Solche, die denken, sie wüssten alles, und der Meinung sind, dass Frauen und vor allem junge Frauen nichts auf der Jagd zu suchen hätten. Tja, ich musste diese leider auch schon kennen lernen. "Vergleichsschießen mit Opi" auf dem Schießstand, um mich zu beweisen - ja geht's noch? Nur so zur Info, ihr werdet alle nicht jünger und irgendjemand muss die Jagd weiter betreiben und sie in die Öffentlichkeit bringen. Nur weil man weiblich und nett anzusehen ist, heißt das nicht, dass man zur Jagd eingeladen wird und die Einladung als Dankeschön dann "anders abarbeiten" muss.  Ja, liebe Leser und Leserinnen, es gibt auch solche Jäger unter uns. Zur Jagd einladen und nette Sachen versprechen, und dann kommt der große Knall. Wieder steigt ein Gefühl von Ekel in mir hoch. Wenn ich mich so umhöre, dann ging es schon einigen anderen Mädels so, und nein, das ist keine Frage des Alters. Es passiert auch "älteren" Damen. 

Ich dachte, es sei eine Gemeinschaft, in der wir Jäger und Jägerinnen untereinander zusammen halten und uns nicht gegenseitig die Augen auskratzen? Nach außen sind immer alle superlieb und nett, doch dann...? Dann wird gelästert und sich das Maul zerfetzt. Jaja, das Internet ist schon ein lustiger Freund. Vorn herum werden Leute aus unseren Reihen von den Gleichen angegriffen und niemand hat den Mut einzugreifen, sondern man schreibt lieber privat, dass man sich nicht unterkriegen lassen solle. Man möchte niemanden verletzen oder es könnte aussehen, als entscheide man sich für eine "Seite". Mein Gott, ein großer Kindergarten! Ich gehe zur Jagd, bin eindeutig Jägerin und nicht nur Jagdscheininhaberin, und ich stehe dazu. Ich bin eine Frau, und ich kann mich in der Jagd trotz (oder gerade wegen?) der Bräuche und Traditionen individuell entfalten. Ich sehe nicht ein, jemanden zu fragen, ob ihm meine Haare oder meine Shirts gefallen, und wenn ich eine pinke Waffe führen würde, dann könntet ihr es finden, wie ihr wollt. Kann euch doch egal sein! Es gibt auch so einige Ansichten, die ich nicht teile, und ich persönliche finde Erlegerbilder mit der Waffe auf dem Wild auch eher unschön. Trotzdem behalte ich es für mich und mache es selbst anders. Meine Hoffnung stirbt zuletzt, dass so ein Mist irgendwann einmal aufhört.
Eigentlich eher im Gegenteil, ich teile "Erlegerbilder", wenn überhaupt, nur in den allerprivatesten Gruppen, wo jeder jeden kennt. Manche Dinge müssen Menschen, die wenig mit der Jagd zu tun haben, nicht sofort sehen. Es ist abschreckend, ja schon fast scheußlich für den ein oder anderen Zeitgenossen, in einer Welt, in der das Töten ein Tabuthema ist. Heute werden Menschen ja für Wochen arbeitsunfähig geschrieben, weil sie ein Reh überfahren haben und mit der psychischen Belastung, die dieses traumatische Ereignis ausgelöst hat, nicht umgehen können. Ich finde es auch schlimm, wenn ein Tier im Strassenverkehr stirbt, davon ganz abgesehen, aber manche Menschen übertreiben maßlos. 
Diese endlosen Diskussionen zum Thema "Pink auf der Jagd" nerven! Es kann doch jeder tragen und haben was er möchte. Aber nein, es gibt immer jemanden, dem es nicht passt, und der muss seine Ansicht natürlich der gesamten Welt mitteilen. Danke dafür! So versüßt ihr mir jeden Tag auf's Neue. 
Es sind nicht nur die Jagdgegner, die so böse sind, NEIN es sind auch die aus unseren Reihen. Das ist für mich eine viel schlimmere Tatsache, und ich schäme mich für genau diese Leute. Man muss nicht immer auf Krawall gehen und seine Stimme erheben. Manchmal reicht es, einfach nur zu lächeln ;-)
Eigentlich sind es vielmehr genau die eigenen Reihen, die einem das Leben schwer machen. Eine tote Katze aus der Falle, erschossen mit der .22lfb? Als ob nicht das Katzenthema DER Aufhänger ist, um jedes Jagdgesetz anzugreifen und durch die Hintertür gleich noch alle anderen Arten veränderte Jagdzeiten anzuhängen. Manche Zeitgenossen sind so feinfühlig, wie eine Axt. Sie zerschlagen das Geschirr, weil es ihnen Freude bereitet, da helfen auch zehn Jahre Jagdschein nicht weiter. Denn genau diese Leute möchten nicht einsehen, dass wir auch für sie mitkämpfen. Ja, wir machen Fehler, wir sind Jungjägerinnen und halten damit auch nicht hinter dem Berg. Aber hat jemals irgendwer etwas gewonnen, nur weil er brav seine Klappe gehalten hat und dem Strom hinterhergeschwommen ist? Ist es nicht sogar unsere Pflicht, uns mehr in die Öffentlichkeit zu wagen? Über kurz oder lang wird ein positives Image der Jagd den Jägerinnen und Jägern wieder mehr gesetzliche Freiheit geben und damit schlussendlich auch unserem Wildtieren zu Gute kommen. 
Wir leisten hier nur einen sehr, sehr kleinen Teil. Aber es ist unser Teil, der sehr viel mehr ist, als das, was andere Personen bieten. Wir stellen uns Schulter an Schulter in die Öffentlichkeit und zeigen Flagge. Wir zeigen unsere Stärken und schreiben über Schwächen. Wir tun das so, dass wir die erreichen, mit denen wir unsere Welt teilen, mit den zukünftigen Entscheidungsträgern. Wie traurig ist es, dass es manche Menschen das nicht verstehen und nicht den Blick bis über den Tellerrand schaffen? 
Ja, der Beitrag wird die Gemüter hochkochen lassen, aber wie sagt mein Klassenkamerad immer so schön: "Wer sich die Jacke anzieht, dem passt sie auch."
Ihr könnt mich nun dafür hassen oder vielleicht mal beobachten und darüber nachdenken.
Mich übrigens auch. 

It was a pleasure, Josi. 

Freitag, 13. November 2015

Wie kommt eigentlich das Wild auf den Teller

Oft bekomme ich die Frage gestellt, ob ich, wenn ich ein Stück Wild erlege, es denn auch ausnehmen würde, ob dies nicht eklig sei und was eigentlich genau mit dem Stück passiert, wenn es zur Strecke kommt.
Eines kann ich euch versichern: Kein Stück Wild, das erlegt wurde, wird weggeschmissen und somit einfach nur zum Spaß geschossen. Jäger gehen so oder so nicht aus Spaß am Töten zur Jagd, sondern der Vielseitigkeit und des guten Fleisches wegen. Jäger sind Genießer guten Essens, außerdem essen sie gerne Fleisch und wollen wissen, wo es herkommt.
Doch zurück zu der Frage, ob ich denn mein Stück Wild selber ausnehme.
Meine Antwort: "Klar!"
Meiner Meinung nach ist es selbstverständlich sich auch nach dem Schuss, um das erlegte Stück zu kümmern und es zu versorgen. Das bedeutet aufbrechen (die Innereien heraus nehmen), aus der Decke schlagen (das Fell abziehen) und zerwirken (das Fleisch verzehrtauglich schneiden).
Ich möchte versuchen euch in diesem Beitrag darzustellen, welche Arbeit eigentlich nach dem Schuss auf uns wartet und den Jungjäger/innen unter euch vielleicht ein paar Tipps näher bringen, wie man das Wild schnell und einfach küchenfertig bekommt.

Fangen wir mit der Arbeit an, die gleich als aller erstes nach dem Schuss verrichtet werden muss. 
Die sogenannte "rote Arbeit", das Aufbrechen:

Ich breche mein Wild in einer dafür vorgesehenen Aufbrechkammer an der Försterei auf. Dort habe ich die Möglichkeit das Stück aufzuhängen, es mit sauberem Wasser auszuspülen und es danach in die Kühlung zu hängen. 

1. Schritt: Das Stück Wild liegt noch auf dem Boden und ich schärfe den Schlund bis zum Brustkorb auf. Dann schneide ich entweder das Kurzwildbret (männliches Geschlechtsteil) - oder das Gegenstück beim weiblichen Wild - weg und hänge das Stück an den Hinterläufen auf.
2. Schritt: Nun schärfe ich die Bauchdecke bis zum unteren Teil des Brustkorbes auf und nehme mir dann eine Säge zur Hilfe.
3. Schritt: Mit der Säge zersäge ich den Brustkorb.
4. Schritt: Jetzt kann ich die gesamten Innereien herausnehmen und bin schon fast fertig.
5. Schritt: Zwischen den Keulen ist nun noch ein Knochen der das Becken zusammen hält. Das sogenannte Schloß. Dieses Schloß öffne ich mit der Säge.
6. Schritt: Der Wildkörper wird nun von Innen mit Wasser ausgespült und kommt in die Kühlung. 
Dort muss er ca. 4-6 Tage hängen, damit das Fleisch "reif" wird.

Schritt 2
Schritt 2/3
Schritt 5
Schritt 6

Nach dem Aufbrechen untersuche ich die Innereien auf bedenkliche Merkmale, was bedeutet, dass ich schauen muss, ob das Stück krank war oder nicht. Wenn nicht, kann ich das Fleisch sorgenfrei genießen, wenn ja, muss ich das Wildbret verwerfen (Das Fleisch darf dann nicht verzehrt werden).
Auch wenn dies nicht direkt zum Aufbrechvorgang gehört, ist es doch ein Teil davon. 

Kommen wir nun zum "aus der Decke schlagen":

Nachdem das Wild in der Kühlung abgehangen hat, beginne ich das Stück aus der Decke zu schlagen. Dies mache ich auch im Hängen, da es einfach, schnell und effizient ist.

1. Schritt: Ich schneide die Decke (das Fell) an den Läufen bis zum geöffneten Wildkörper ein.
2. Schritt: Nun löse ich um die Öffnung herum die Decke ab.
3. Schritt: Jetzt wird von oben nach unten gearbeitet. Es muss nur noch die Decke an den Keulen und dem Waidloch gelöst werden, dann kann ich diese in einem Schwung herunter ziehen. 
4. Schritt: Das Haupt vom Nacken lösen.
 
Fertig!


Schritt 1
Schritt 1
Schritt 2
Schritt 3
Beim Zerwirken werden nun lediglich die Blätter (Schulterblätter) mit dem Messer abgelöst. 
Dies geht ganz einfach, weil sie mit keinem Knochen am Wildkörper befestigt sind. So muss man  nur am Brustkorb entlang der Blätter schneiden.
Dann werden die Rippenbögen mit der Säge abgetrennt. Danach löst man die Keulen am Beckenknochen ab und sägt schlussendlich nur noch den Rücken vom Nacken und dem Becken.
Dann werden die Blätter und die Keulen von den Sehnen befreit. Dieses Fleisch was übrig bleibt, wird später z.B. als Wurstfleisch verwendet. Danach wird alles einvakuumiert.
Die Filets werden vom unteren Rücken getrennt und die Rückenstränge werden von der Wirbelsäule gelöst. Der Nacken und das Rippenfleisch werden bei mir nur verwurstet.
Wenn dies alles erledigt ist, kommt wieder das Vakuumiergerät zum Einsatz.


Jetzt muss das Fleisch nur noch in die Gefriertruhe oder gleich in den Topf/ Bräter oder auf den Grill!
Eine anstrengende Arbeit, aber es lohnt sich.



Waidmannsheil & Guten Appetit
 Martje